Thema in Sachsen podcast

Nach Fund von weiterer Drohne bei Leipzig/Halle: „Es deutet alles in Richtung Russland“

0:00
48:23
Rewind 15 seconds
Fast Forward 15 seconds
Der Fund einer weiteren wohl mit Sprengstoff beladenen Drohne im sachsen-anhaltischen Kabelsketal unweit des Flughafens Leipzig/Halle wirft neue Fragen zum Ausmaß des Anschlagsversuchs vor drei Wochen auf. Das Fluggerät soll rund 50 Gramm des Sprengstoffs Hexogen transportiert haben. „Das bestätigt die Auffassung, die einige schon hatten, ich ehrlich gesagt auch, dass es sich um eine professionelle Anschlagsplanung gehandelt hat“, sagt Sicherheitsexperte Nico Lange im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Nicht nur mehrere Drohnen, sondern auch ein System aus Antennen und Relais deuteten darauf hin. Dass nun offenbar Hexogen an einer weiteren Drohne gefunden worden sei, zeige: „Es war ein größerer Anschlag geplant, der nur durch Glück nicht zu einer Katastrophe geworden ist.“ Nico Lange, Gründer und Direktor des Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit, erkennt anhand des professionellen Vorgehens ein Muster, das stark an die militärische Drohnennutzung im Krieg in der Ukraine erinnere. „Etwas in diesem Umfang können wirklich nur wenige professionelle Akteure. Es das deutet alles in die Richtung Russland“, sagt er. Den neuerlichen Drohnenfund nimmt Lange zum Anlass für Kritik an den deutschen Sicherheitsbehörden. Dass diese „durch Rätsel raten und suchen“ jetzt klären müssten, wie viele Drohnen beteiligt waren und wo sie gestarteten oder gelandet seien, sei bedauerlich. „Im Jahr 2026 müsste man eigentlich längst dazu in der Lage sein.“ Der Podcast und das Gespräch mit Nico Lange geht auch der Frage nach, wie anfällig Deutschland für hybride Angriffe ist und wieso es der Politik mitunter schwerfällt, einen klaren Verdächtigen zu nennen. Stattdessen ist, so wie im Fall Leipzig, meist von „fremden Mächten“ die Rede. Lange erklärt, warum er diese Zurückhaltung für falsch hält. Außerdem geht es in dem Gespräch um die Frage, inwiefern Einflusskampagnen Teil von hybrider Kriegsführung sind – und gerade in Ostdeutschland wegen der besonderen historischen Verbindung der früheren DDR zu Russland möglicherweise mehr verfangen könnten. Lange warnt davor, von einem einheitlichen Russlandbild im Osten zu sprechen und berichtet von seinen Erlebnissen bei Veranstaltungen in Ostdeutschland. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass es sowas wie eine geschlossene Ostidentität gibt.“ Jede Region habe eigene Standpunkte. „Ich hatte den Eindruck, da haben Leute auch untereinander gestritten. Da waren Leute voneinander genervt, weil sie sehr unterschiedliche Auffassungen hatten.“ Gleichzeitig warnt Lange aber vor den Mitteln, die Russland einsetze bei Einflussoperationen und für Propaganda. Ein wichtiges Muster sei dabei die Täter-Opfer-Umkehr: Der Angriff auf die Ukraine werde als vermeintliche Verteidigung dargestellt, der Westen oder die Nato als eigentliche Verursacher des Konflikts. Russland profitiere davon, „dass da viele mitmachen und diese Narrative immer wiederholen“. Das Gespräch mit Nico Lange über den Drohnen-Vorfall in Leipzig, den Schutz kritischer Infrastruktur und zur Frage, warum technisches Aufrüsten im Kampf gegen hybride Bedrohungen allein nicht reicht, gibt es jetzt im Podcast „Thema in Sachsen“.

More episodes from "Thema in Sachsen"