Kaffeemacher Podcast podcast

Gibt es bald keinen Bio-Kaffee mehr?

0:00
1:00:54
Retroceder 15 segundos
Avanzar 15 segundos
Die neue Bio-Verordnung ist eine krasse Herausforderung für kleine Kaffeeproduzenten. Und sie sind aber die Mehrheit. Der Gesetzestext liegt seit 2018 auf dem Tisch. Ich habe am Rand mitbekommen, dass da etwas kommt, und mich nie richtig reingefuchst. Gemerkt habe ich es erst, als unsere Partnerproduzenten anfingen davon zu erzählen. Seit 2025 gilt die neue EU-Bio-Verordnung auch für Drittländer, und zwar eins zu eins. Wer mehr als fünf Hektar bewirtschaftet oder über 25.000 Euro Jahresumsatz kommt, fliegt aus der Gruppenzertifizierung. Taucht irgendwo in der Kette ein nicht bewilligter Pestizid- oder Düngemittelrückstand auf, wird nicht mehr der einzelne Betrieb gesperrt, sondern die ganze Gruppe. Kollektive Haftung also, bei umgekehrter Beweislast. Was heisst das für Kleinstproduzenten? Die durchschnittliche Kaffeefarm in Peru misst 2,3 Hektar. Die neue Grenze trifft also nicht die Großen. Sie trifft genau die, denen vor zwanzig Jahren gesagt wurde, sie sollen sich entwickeln. Zu groß für die Gruppe, zu klein für die eigene Zertifizierung. Fairerweise: Die Verordnung ist nicht aus Bosheit entstanden. Es gab Betrugsfälle, es gab Bananen, die von überall herkamen und als Bio verkauft wurden, und Tobias Fischer sagt, 70 bis 80 Prozent der lateinamerikanischen Kooperativen hätten die Umstellung geschafft. Er kontrolliert seit über zwanzig Jahren Biobetriebe für die Ökokontrollstelle Kiwa BCS und war neun Jahre beim europäischen Dachverband der Kontrollstellen. Er kennt beide Seiten des Tischs. Und trotzdem erzählt Lukas Harbig, der mit Cumpa Rohkaffee in Peru kauft, dass selbst Kooperativen aussteigen wollen, die alle Auflagen erfüllen könnten. Weil das Risiko nicht mehr beherrschbar ist. Jimmy, sein bester Freund in Peru, kam von der Kaffeemesse in Chicago zurück mit der Nachricht, dass dort niemand mehr über Europa spricht. Wir schreiben also Gesetze für eine Landwirtschaft, die es in den Anbauländern nicht gibt, und wundern uns, dass sie woanders hingehen. Warum eigentlich stoßen wir uns an einem Label im Regal viel mehr als daran, wer künftig überhaupt noch liefern darf?

Otros episodios de "Kaffeemacher Podcast"