
Die Macht der Siedler: Israel und das Westjordanland
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Unter einem Vorwand reist der Rabbi Moshe Levinger im April 1968 nach
Hebron. Etwa 60 Mitstreiter begleiten ihn in diese Stadt im
Westjordanland, das Israel im Vorjahr besetzt hat. Sie sind unterwegs in
heiliger Mission: Vor Ort erklären sie sich zur "ersten Gruppe von
Siedlern, die gekommen ist, die jüdische Gemeinde in Hebron zu
erneuern". Denn sie betrachten das Westjordanland als Teil des
Territoriums, das Gott den Juden verheißen hat. Und bald entsteht dort
am Rand von Hebron eine der ersten jüdischen Siedlungen.
Heute sind die Siedler politisch so einflussreich wie nie zuvor – und
gelten als eine der großen Hürden für einen Frieden mit den
Palästinensern. Im Schatten des Gazakrieges eskaliert zunehmend auch im
Westjordanland die Gewalt. Immer rücksichtsloser treibt die israelische
Regierung dort die Besiedelung voran und damit in den Augen von
Kritikern eine faktische Annexion.
In unserer neuen Sendung zeichnen wir die Geschichte dieser
Siedlerbewegung nach, seit ihren Anfängen 1967, als Israel im
Sechstagekrieg Besatzungsmacht wurde und plötzlich die Kontrolle über
das Westjordanland erlangte. Der Historiker Moshe Zimmermann ordnet für
uns ein, wie radikalreligiöse Aktivisten wie Levinger dort auf eigene
Faust Fakten schafften und die Politik unter Zugzwang setzten. Damals
begannen auch säkulare Israelis, die Ziele der Siedler zu unterstützen.
Es war die Beinahe-Niederlage im Jom-Kippur-Krieg sieben Jahre nach
diesen Anfängen, die der Siedlerbewegung einen entscheidenden Schub
verschaffte.
Wir nehmen das Jahr 1977 in den Blick, als der konservative Likud-Block
erstmals an die Macht gelangte. Nun forcierte die israelische Regierung
selbst die systematische Besiedlung des Westjordanlandes, ohne Rücksicht
auf das Völkerrecht. Wir berichten von der Rebellion der Siedlerbewegung
gegen den Friedensprozess der 1990er-Jahre und von den Terroranschlägen,
die Siedler und Palästinenser gegeneinander verübt haben. Außerdem
fragen wir: Wer sind die rechtsextremen Siedler, die heute als Minister
Benjamin Netanjahus Kabinett angehören? Steht eine offizielle Annexion
des Westjordanlandes bevor? Und ist eine Zweistaatenlösung durch die
etwa 700.000 Siedler inzwischen unmöglich geworden? Unser aktuelles Heft
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Für unsere Sendung haben wir folgende Literatur benutzt, die wir gerne
empfehlen möchten:
Idith Zertal, Akiva Eldar: Die Herren des Landes. Israel und die
Siedlerbewegung seit 1967, München 2007
Sara Yael Hirschhorn: City on a Hilltop. American Jews and the Israeli
Settler Movement, Cambridge, Massachusetts 2017
Moshe Zimmermann: Niemals Frieden? Israel am Scheideweg, Propyläen
Verlag, Berlin 2024
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