
"Das System muss man zweimal stürzen": Fällt das Mullah-Regime im Iran?
1/16/2026
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Nicht das erste Mal gehen im Iran Hunderttausende Menschen auf die
Straßen, um gegen die Führung der radikalislamischen Republik zu
protestieren. Doch die aktuelle Protestbewegung unterscheidet sich von
früheren in einem entscheidenden Punkt: Anders als 2019 oder 2022 klagen
die Demonstranten nicht Misswirtschaft und Korruption oder den
gewaltsamen Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam an – die Proteste
richten sich gegen das Regime selbst. Und obwohl die Machthaber mit
äußerster Brutalität gegen ihre Kritiker vorgehen, ist bereits klar: Der
Wille nach radikaler Veränderung lässt sich nicht totprügeln. Selbst
wenn die Proteste niedergeschlagen werden, wirkt er weiter – und
verändert das Land.
In der neuen Ausgabe von "Das Politikteil" sprechen Ileana Grabitz und
Peter Dausend mit Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und
Politik über die aktuelle Entwicklung im Iran – und deren langfristige
Folgen. Zamirirad beschreibt, warum die jüngsten Proteste breitere
Bevölkerungsgruppen umfassen und wieso die Angst vor der Gnadenlosigkeit
des Regimes ihre lähmende Wirkung verliert – und das, obwohl die
staatlichen Gewaltexzesse mehr Menschen treffen als je zuvor. Sie geht
der Frage nach, ob der Iran gerade einen "Jetzt-oder-nie-Moment" erlebt,
analysiert, welche Rolle der 86-jährige, durch Krankheiten geschwächte
Staatspräsident Ali Chamenei noch spielt, und erläutert, warum dessen
Sturz noch lange nicht das Ende des Regimes bedeuten würde.
Die Iranexpertin beleuchtet zudem die überragende Bedeutung der
Revolutionsgarden für die Stabilität des Gottesstaates, setzt sich mit
der Rolle des Schah-Sohnes Reza Pahlavi innerhalb der Opposition
auseinander, deutet aus, welche Motivation hinter Trumps Drohungen mit
Militärschlägen steckt – und beschreibt, was der Westen gern übersieht:
dass es Millionen Menschen gibt, die das System unterstützen.
Azadeh Zamirirad wurde im Iran geboren, hat in Potsdam
Politikwissenschaft und Amerikanistik studiert, ist promoviert, war
unter anderem als Redakteurin der Fachzeitschrift "WeltTrends" und als
Lehrbeauftragte für Internationale und Vergleichende Politik an der Uni
Potsdam tätig. Sie arbeitet seit 2015 für die Stiftung Wissenschaft und
Politik in Berlin – und leitet dort seit 2024 die Forschungsgruppe
Afrika und Mittlerer Osten. Der Iran und die Atomverhandlungen sind
dabei ihr Forschungsschwerpunkt.
Im Podcast "Das Politikteil" sprechen wir jede Woche über das, was die
Politik beschäftigt, erklären die Hintergründe, diskutieren die
Zusammenhänge. Immer freitags, mit zwei Moderatoren, einem Gast – und
einem Geräusch. Neben Peter Dausend und Ileana Grabitz sind auch Tina
Hildebrandt und Heinrich Wefing als Gastgeber zu hören.
Und am 27. Januar 2026 gibt es dann erneut etwas Besonders: Tina
Hildebrandt und Heinrich Wefing sprechen dann in der Staatsoper Unter
den Linden in Berlin mit dem Pianisten Igor Levit über das Thema
Heimat. Es gibt noch wenige Karten, und zwar hier.
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