Was geschieht, wenn wir vom Gipfel spiritueller Erfahrung wieder ins gewöhnliche Leben zurückkehren? Anhand von Koan 23 aus dem Hekiganroku geht Christoph Rei Ho Hatlapa der Frage nach, wie sich die Erfahrung des Absoluten im Alltag verwirklichen kann.
Ausgangspunkt ist die Geschichte von Hofuku und Chōkei, die über den heiligen Berg Myōhō sprechen, der für das absolute Samadhi steht – die Erfahrung von Grenzenlosigkeit und Einheit. Die eigentliche Erkenntnis geschieht jedoch nicht auf dem Gipfel selbst, sondern erst nach dem Abstieg zurück in die Welt des Handelns und der Beziehungen. Zen bedeutet demnach nicht, sich im Absoluten zu verlieren, sondern die Erfahrung der Einheit in das alltägliche Leben hineinzutragen. Was uns daran hindert, die Wirklichkeit unmittelbar zu erleben, sind unsere Gedanken, Urteile und Erwartungen, in denen wir gefangen sind. Diese geistigen Muster erzeugen Leiden. Wir wünschen uns, dass Menschen anders wären, dass die Welt anders wäre oder dass wir selbst anders sein müssten. Dadurch verlieren wir den Kontakt zum So-Sein der Wirklichkeit – zu dem, was einfach ist.
Zen-Praxis bedeutet deshalb auch, diese alten Muster zu erkennen und allmählich loszulassen, um freier, spielerischer und unmittelbarer leben zu können. Wenn es uns gelingt, unsere gedanklichen Blasen allmählich zu verlassen, erkennen wir, dass wir von Wundern umgeben sind. Bis wir Myōhō schließlich nicht mehr als einen fernen mystischen Ort erleben, sondern als die allgegenwärtige Wirklichkeit selbst.
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