
Wie ausbeuterisch ist die Heimpflege? Dieser Roman gibt Antwort: HALBE LEBEN (Susanne Gregor)
Die EU verspricht Freizügigkeit und Arbeitsmigration. Auf den ersten Blick sieht es nach einer Win-Win-Situation aus, von der der 2025 erschienene Roman „Halbe Leben“ erzählt. Die Schriftstellerin Susanne Gregor porträtiert zwei Frauen, beide 38 Jahre alt. Aber die Staatsbürgerschaft ist entscheidend, ebenso wie der ökonomische Unterschied: Während die Österreicherin Klara in einem Architekturbüro Karriere macht und kaum noch Zeit hat, sich um ihre Tochter und ihre dement werdende Mutter zu kümmern, wird der Slowakin Paulína durch eben diese Situation ein vergleichsweise lukrativer Job angeboten.
Lässt sie ihre beiden Kinder in der Slowakei und arbeitet alle zwei Wochen als Pflegerin bei Klara, scheint allen geholfen zu sein: Klara kann ihre berufliche Laufbahn fortsetzen, Paulína endlich mehr Geld verdienen. Doch dies ist nur ein vermeintlich gleicher und gerechter Tausch. Susanne Gregor analysiert ein intrikates Ausbeutungsmodell, auf dem die Wohlstandsgesellschaften in Österreich und Deutschland aufbauen. Zugleich hinterfragt der Text nah an den Figuren und durch präzise Beschreibungen liberale Selbstverständlichkeiten.
Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur.
Literatur:
Susanne Gregor: Halbe Leben, Paul Zsolnay Verlag.
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