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Es war ein milder Tag, nicht mehr Winter und noch nicht ganz Frühling, einer dieser Tage, die vor Freundlichkeit strotzen, in einer freundlich übertriebenen Art, an denen selbst ein stiller See aus ehemaligem Tagebau eine Bedeutungsschwere bekommt. Über dem Wasser lag Ruhe, über der Landschaft ein besänftigender Ernst.
Zwei Herren, seit Jahren in eigentümlicher Freundschaft verbunden, gingen dort spazieren. Sie waren Flaneure, Menschen, denen nicht das Ziel wichtig ist, sondern das Gehen, Schauen und Sprechen. Dass sie dabei nackt waren, verlieh dem Ganzen nichts Anstößiges, sondern eher etwas Unschuldiges, Absonderliches , als wollten sie erproben, wie wenig es braucht, um sich einer Landschaft verbunden zu fühlen.
Während sie am Ufer entlangschritten, sprachen sie über Seen und Inseln, über Urlaubstypen, Wind und darüber, wie nah einem ein Ort kommen kann, den man vorher kaum kannte. Aus Scherz wurde Nachdenklichkeit, aus einem kleinen Ratespiel beinahe eine Erkenntnis.
Schließlich blieben sie stehen und blickten aufs Wasser. Der See war nicht großartig, aber von jener stillen Art Schönheit, die keinen Eindruck machen will und gerade deshalb eindrucksvoll ist.
Und vielleicht, so dachten sie, ist Freundschaft am Ende nichts anderes, als gemeinsam um einen See zu gehen, nackt womöglich, und für einen Augenblick zu glauben, das sei eine große Reise.
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