
Sonderreihe Schmerz (1/4): Schmerz als Schutzsystem mit Lorimer Moseley
3.9.2026
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In dieser Jubiläumsfolge sprechen wir mit Lorimer Moseley über das Verständnis von Schmerz und das Fit-for-Purpose-Modell. Wir ordnen seine Arbeit historisch ein und greifen die Entwicklung von einem eher mechanistischen Schmerzmodell hin zu einem komplexeren, integrativen Verständnis auf.
Wir besprechen, dass Schmerz nicht einfach ein direkter Detektor von Gewebeschaden ist, sondern ein Schutzsystem. Dabei fließen viele Faktoren zusammen, darunter sensorische Informationen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Emotionen, Erfahrungen und Kontext. Schmerz entsteht demnach als Ergebnis einer Bewertung von Gefahr im Nervensystem.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Plastizität des Schmerzsystems. Wir sprechen darüber, dass sich das System durch Erfahrungen verändern kann, sowohl in Richtung erhöhter Empfindlichkeit als auch in Richtung Desensibilisierung. Dazu nutzen wir die Bilder des Orchesters und der Zwiebel, um die Mehrschichtigkeit von Schmerzerfahrung zu erklären.
Im therapeutischen Teil geht es um zwei zentrale Bausteine: Wissen über Schmerz und körperbezogenes Training. Wir erklären, warum Schmerzwissen Selbstwirksamkeit fördern kann und wie schrittweise angepasste Bewegung helfen soll, das System neu zu beeinflussen. Dabei betonen wir, dass nicht jede Maßnahme für jede Person gleich passt.
Im Interview geht Moseley auch auf seine persönliche Entwicklung ein und beschreibt Erfahrungen, die sein Verständnis von Schmerz geprägt haben. Er spricht über die Rolle von Angst, Stress, Vermeidung, chronischem Schmerz, Metaphern in der Patientenkommunikation und die Bedeutung aktueller Evidenz in der klinischen Praxis.
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