MS-Perspektive - der Multiple Sklerose Podcast mit Nele Handwerker podcast

Spezial: Kolumne 83 von Matthias Horx – Gute Nachrichten für nebelige Tage

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Aufgrund der angespannten Corona-Lage gibt es wieder einen neuen Beitrag von Matthias Horx, dessen Blick in die Zukunft und auf all das Erreichte, unabhängig von Corona, ich immer sehr wohltuend finde.

Dennoch meine große Bitte. Lass Dich Impfen. Hol Dir die Auffrischung. Und halt nochmal durch, auch wenn erneute Einschränkungen nicht schön sind. Gesellschaft vor Individualismus. Wissenschaftlich fundierte Fakten vor Meinungen und Gefühlen.

Der nachfolgende Text stammt aus der Zukunfts-Kolumne von Matthias Horx:
www.horx.com/die-zukunfts-kolumne
Siehe auch: www.zukunftsinstitut.de.

Eine kleine Zukunfts-Meditation © Julian Horx, www.julian-horx.com

Nun ist es wieder passiert. Zu grauen und nebeligen Tagen hebt wieder der große Angst- und Schreckens-Gesang an, diesmal mehr mit Wut vermischt. Viele Menschen fallen wieder in einen Taumel von Angst und Verwirrung. von Vorwurf und Verzweiflung. Wir kehren in die Spirale des destruktiven Streits zurück.

Destruktiver Streit, wie wir ihn heute wieder über Corona pflegen, zeichnet sich dadurch aus, dass man in innerhalb des Streites nicht mehr weiterkommt. Man tappt sozusagen im Nebel. Destruktiver Streit basiert auf dem Prinzip des Gegenruhms: Eine endlose Mühle von Meinungen und Schuldzuweisungen, die in sich selbst festgefahren sind und sich gegenseitig hochschaukeln.
Staatsversagen!
Die Politik ist schuld!
Freiheitsberaubung!
Ich dreh gleich durch!
Alles Idioten!

Meinungskriege sind in ihrem Wesen narzisstisch, weil sie nicht dem Finden eines Weges dienen, sondern dem Inszenieren der eigenen Konstrukte. Destruktiven Streit erkennt man daran, dass er nur Erregungen, keine Reflexion zulässt. Re-flexion heißt ja, dass man miteinander Aspekte der Wirklichkeit »re-flektiert«. Also sich gegenseitig auf dem Weg in eine gemeinsame Wirklichkeit begleitet.
So haben es, wie es aussieht, die Neo-Koalitionäre in Deutschland gemacht. Es geht also, auch bei hochkomplexen Dingen!
„Reflektieren erfordert eine unterstützende, sanfte Einstimmung auf das Selbst statt einer urteilenden Haltung, die verhört und abwertet. Reflexion ist ein mitfühlender Geisteszustand.”
So formulierte es der Transformationspsychologe Daniel J. Siegel in seinem Buch „Mindsight” (Goldmann-Verlag, S. 71).

Aber was tun man, wenn man mit einem aussichtslosen fraktalen Meinungskrieg konfrontiert ist? Dann ist es ratsam, sich bewusst zu entziehen. Sonst wird man unweigerlich hineingezogen in die Mühle der Erregungen. Und steckt plötzlich in einem Shitstorm, den man selbst mit angerührt hat.
„Manche Probleme sind so komplex, dass man hochintelligent und gut informiert sein muss, um bei ihnen unentschieden zu sein.”
Das stammt von Laurence J. Peter, dem Erfinder des Peter-Prinzips.

Neben Heiterkeit und Liebe wäre ein mögliches Mittel, aus dem Nebel herauszukommen, die Erweiterung unseres Wahrnehmungs-Horizontes. Ein Blick über die Dächer. Machen wir also ein kleines Experiment. Hier einige Meldungen aus der »weiten Welt«, die Sie wahrscheinlich noch nicht gelesen oder wahr-genommen haben:

  • Die größte und erfolgreichste Impfkampagne der Menschheitsgeschichte geht in die nächste Runde. Indien meldet die Verabreichung von einer Milliarde Covid-Vakzin-Dosen, China führt diese Liste mit zwei Milliarden an, während Brasilien 258 Millionen Dosen verabreichte und Indonesien 172 Mio.
    Global wurde bis Ende dieses Jahres knapp die Hälfte der Menschheit gegen Covid geimpft, und es geht schnell weiter…
    Quartz
  • Ein Rollout eines neuen Polio-Vakzins in sechs afrikanischen Ländern hat dazu geführt, dass 80 Millionen Kinder nun geschützt gegen Kinderlähmung sind. Mit verringerten Seiteneffekten war das Mittel das Erste, dass von der WHO für Noteinsätze freigegeben wurde und dadurch gegen Ausbrüche schneller schützen konnte. The New Vaccine
    WHO
  • Ruanda konnte seine jährliche Zahl von Malariafällen von 4,8 Millionen im Jahr 2016 auf 1,8 Millionen in 2020 reduzieren, schwere Fälle mit Todesfolge reduzierten sich um 70 Prozent. Die Regierung erprobt nun Drohnen, die Anti-Moskito-Präparate versprühen.
    Blasting mosquitoes with drones
    RBC
  • Einer der größten Killer in hochentwickelten Ländern ist der Schlaganfall – zweithäufigste Todesursache weltweit. Ein neuer Report in The Lancet zeigt, dass weitgehend unbeachtet die Opferzahlen deutlich reduziert werden konnten – weltweit. Zwischen 1990 und 2019 ging die standardisierte Anzahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück, und die Todesfälle um 36 Prozent.
    The Lancet
© The Lancet
  • Die Anzahl der weltweiten Kriegsopfer sank im Jahr 2020, das zweite Jahr in Folge. Die Gesamtzahl der in bewaffneten Konflikten gestorbenen betrug 120.000, das sind 30 Prozent weniger als 2018. Die Rückgänge gingen vor allem auf Veränderungen in Asien, Ozeanien und dem mittleren Osten zurück.
    SIPRI
  • Eine immer größere Anzahl von Menschen in den wohlhabenden Ländern glaubt, dass Diversität gut für die Gesellschaft ist. In den USA, Kanada, UK, Australien, Neuseeland und Taiwan steigt die Akzeptanz für kulturelle und ethnische Unterschiedlichkeit, sogar in kulturell homogenen Ländern wie Japan und Griechenland.
    Pew
© Pew Research Center
  • Bereits vor dem Start von COP26 konnten Aktivisten gegen den Klimawandel eine gewaltige Welle von DECARBONISIERUNGS-INVESTMENTS verkünden – 40 Billionen Dollar in großen Portfolios und Pensionsfonds haben eine Abkehr von Öl- Kohle und Gas-Investitionen vollzogen. Das ist mehr als das BSP von USA und China zusammen.
    NYT
  • Ein bemerkenswerter Teil des Globalen Zement-Sektors hat sich zu einer deutlichen Verringerung von Emissionen bekannt. Ein Viertel bis 2030, Karbon-Neutralität im Jahr 2050.
    Global Cement and Concrete Association
  • Die Regierung von Chile hat das Verbot der meisten Verbrennungsmotoren von 2035 an angekündigt. Unter der neuen Elektrik-Transport-Strategie werden alle Fahrzeuge, Züge, auch schwere Lastwagen Zero-Emission sein müssen.
    We Go Electric
  • Malawi hat die Wilderei und den Tierhandel drastisch reduzieren können – dank strengerer Gesetze. 90 Prozent aller verurteilten Wilderer brachte 4 Jahre oder mehr im Gefängnis zu. Seitdem gibt es keinen Fall von Elfenbeinhandel oder Rhino-Horn mehr, auch der Schmuggel seltener Wildtiere nach China konnte weitgehend abgestellt werden.
    NYT
  • Im Ostpazifik wird ein 500.000 Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet entstehen, das auch die Galapagos-Inseln umfasst. Die Präsidenten von Ecuador, Kolumbien, Costa Rica und Panama verkündeten in der letzten Woche den Vertrag. Das Gebiet soll mehrere bestehende Schutzzonen miteinander verbinden und wäre damit so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Innerhalb der geschützten Flächen soll es zukünftig unter anderem verboten sein, Fische zu fangen.
    The Guardian
© The Guardian
  • Die Population des östlichen Flachlandgorillas hat sich verdoppelt, von 3800 auf 6800. Das ist die gute Nachricht aus dem Oku Community Conservation Center im Kongo. Die Fortschritte konnten durch konsequente Habitat-Konservation mit lokalem Community-Engagement erzielt werden.
    Mongabay
  • New Yorks Stadtregierung verabschiedete einen Plan, alle 885 Diesel-Busse der Stadt in vollelektrische Modelle zu konvertieren. Gleichzeitig wurde ein Zero-Emission Gesetz vor alle Passagierautos und leichten Transportfahrzeuge ab 2035 verabschiedet.
    We Go Electric
  • 100 der weltgrößten Konzerne werden ab 2022 eine Minimalsteuer von 15 Prozent auf Gewinne zahlen. 136 Länder haben das neue Abkommen unterzeichnet, das mindestens 150 Milliarden mehr für die Bürger anstatt für die Konzernprofite abzweigen wird.
    Politico
  • Globale Energiespeicherung wächst so schnell und in solchen Dimensionen, dass das Argument, erneuerbare Energien wären „zu unregelmäßig”, bald hinfällig sein wird. 12,4 Gigawatt Batteriespeicher werden im Jahr 2021 installiert, gegenüber 4,2 im Jahr 2020 (und 1 GW 2016). Für die nächsten Jahre werden exponentielle Entwicklungen auch mit neuen, chemischen und mechanischen Speichertechniken erwartet.
    Inside Climate News
  • China hat mit der Konstruktion des größten weltweiten Erneuerbare-Energien-Projektes begonnen. 100 Gigawatt Wind und Solar-Kapazität werden in der Wüste installiert, was mehr als viermal so viel Energie wie der Dreischluchtendamm produzieren wird.
    Bloomberg
  • Das Kolonialzeitalter geht endgültig zu Ende: Anfang November wurden Lebensgroße, aus Tropenholz geschnitzte Königsstatuen, handgewebte Teppiche, kleine Glockenspiele aus Metall, insgesamt 26 Kunstwerke aus Paris zurück nach Benin gebracht. Die Werke wurden dort vor 130 Jahren von der französischen Kolonialarmee gestohlen. Mit der Rückgabe der Stücke begann Präsident Emmanuel Macron, sein 2017 gegebenes Versprechen einzulösen, geraubte Kunstwerke aus den früheren französischen Kolonien in ihre Herkunftsländer zurückzubringen.
  • In Irland startet ein Grundeinkommen-Versuch für Künstler:innen und andere Kulturschaffende. Die waren seit Beginn der Pandemie besonders stark von finanziellen Einbußen betroffen. In der geplanten Testphase erhalten 2.000 Kunstschaffende 3 Jahre lang jede Woche 325 Euro. Ab März 2022, spätestens ab April solle das Pilotprojekt starten, verkündete Kulturministerin Catherine Martin. 25 Millionen Euro stellt der irische Staat für das Vorhaben zur Verfügung.
  • Die Bevölkerungs-Explosion, die zum festen Narrativ unserer Zukunftsängste zählt findet nicht statt. Die Menschheit wird zwischen 9 und 11 Milliarden Menschen – Tendenz zu 10 Milliarden, ihren „Peak-People” zwischen 2060 und 2080 erreichen. Die Geburtenraten sinken weiter, auch in den Armutsländern, und die Bevölkerungszahl Chinas ist bereits derzeit auf dem TIPPING POINT. In dreißig Jahren könnte es 200 Millionen weniger Chinesen geben.
    ZEIT ONLINE

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Meldungen lesen? Sie könnten sagen: Was gehen mich Impfungen in Ruanda an? Oder: Wo stammen die Zahlen eigentlich her?
Ist das nicht geschönt?
Ist doch viel zu wenig!
Wie soll denn das die Welt retten?
Nein, es geht hier nicht darum, „ein bisschen Optimismus” zu erzeugen. Es geht nicht um Stimmungen oder Meinungen. Es geht auch nicht darum, ob es »genug« ist, damit wir Hoffnung haben »dürfen«.
Es geht um die Art und Weise, wie wir Realität und Wirklichkeit, also die Zukunft, konstruieren.

Wir schließen das, was wir für »die Welt« halten, immer in einem engen Tunnel ein. In diesem Tunnel selektieren wir meistens die negativen Signale, weil unser Hirn durch Jahrmillionen der Evolution dazu geprägt ist, das Gefahrvolle überzubetonen. Das hypermediale System, in dem wir leben, befördert diese Tunnelsicht. Auf diese Weise verengen wir uns in der Angst. Aus diesem negativen Narzissmus heraus entsteht leicht eine Paranoia – typisches Anzeichen dafür sind Verschwörungs-Narrative.
Eine besondere Nörgel-Neigung, die zur Bösartigkeit tendiert.
Ein Misstrauen, das auf Selbstverwerfung basiert.

(Die Meldungen stammen übrigen überwiegend von Plattformen, die sich dem Konstruktiven Journalismus verschrieben haben. Der Medienwissenschafter Bernhard Pörksen nennt das den „Planetarischen Journalismus”.)

© Julian Horx, www.julian-horx.com

Komplexe Probleme sind nicht auf der Ebene ihres Entstehens lösbar. Sondern nur dadurch, dass wir neu über sie denken lernen. Paul Watzlawick, einer der Begründer des Konstruktivismus, nennt das „die Sanfte Kunst des Umdenkens”.
„Die eigentliche Ursache des Leids”, schreibt Watzlawick in seinem Weltbestseller „Anleitung zum Unglücklichsein”, „liegt in unserer Unwilligkeit, Tatsachen als reelle Tatsachen und Ideen als bloße Ideen zu sehen, und dadurch, dass wir ununterbrochen Tatsachen mit Konzepten vermischen. Wir tendieren dazu, Ideen für Tatsachen zu halten, was Chaos in der Welt schafft.”

Die 87jährige Naturforscherin und Schimpansen-Expertin Jane Goodall hat gerade ein wunderbares Buch veröffentlicht, in dem Sie ihre Erfahrungen mit ihrem lebenslangen Kampf gegen den Artenschwund und den Tierschutz beschreibt. In Das Buch der Hoffnung erörtert sie vier Gründe, weshalb sie an die Zukunft der Menschheit glaubt:

  • Den erstaunlichen menschlichen Intellekt.
  • Die Resilienz der Natur.
  • Die Kraft junger Menschen.
  • Den unbezähmbaren „Human Spirit”.

Wenn wir den Glauben an die Zukunft verlieren, verlieren wir die Wirklichkeit.
Wenn wir in die Wirklichkeit nur im verengten Blickwinkel unserer Angst wahrnehmen, verlieren wir uns selbst.

Hier noch eine kleine Zusatzübung: Machen Sie den neuen GAPMINDER-Global-Wirklichkeitstest von Ola Rosling, einem guten Freund des Zukunftsinstituts, der sich auf die neuesten Daten und die „Global Goals” der UNO bezieht. Probieren Sie es. Es lohnt sich. Sie werden merken, wie sich auch ihre Haltung zum »Corona-Problem« verändert.

P.S. Auch diese Corona-Welle wird vorbeigehen. Wir werden dann viel gelernt haben. Über uns selbst. Die Gesellschaft. Und das Leben.

Ein großes Dankeschön an Matthias Horx für den tollen Beitrag und die freundliche Erlaubnis ihn teilen zu dürfen!

In diesem Sinne, bleib frohen Mutes. Wende Deinen Blick auf all das Gute, Schöne und Positive, was wir als Menschheit erreicht haben und trage bitte durch Vernunft und Impfbereitschaft dazu bei, dass Covid-19 endlich in den Status von Influenza herabrutscht.

Alles liebe und bestmögliche Gesundheit wünscht Dir,
Nele

Weitere Episoden von „MS-Perspektive - der Multiple Sklerose Podcast mit Nele Handwerker“

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    #119 - Interview mit MS-Patientin Dana alias danabru_

    37:15

    In Folge #119 vom MS-Perspektive Podcast interview ich Dana alias danabru_ zu ihrem bisher kurzen Weg mit der Erkrankung. Dana erhielt vor acht Monaten die Diagnose nach einem sensitiven Schub. Das ging alles innerhalb weniger Tage und obwohl sie am Anfang sehr schockiert war, hat sie sich schnell zu einem bewussten und aktiven Umgang mit der Multiplen Sklerose entschieden.  Sie hat viel über ihre Ängste und Sorgen gesprochen, sich auf den verschiedensten Wegen informiert und sehr gute Unterstützung durch ihren Mann, ihre Schwester und Mama, sowie einen großen Freundeskreis erhalten. Mittlerweile nimmt sie sich bewusster Zeit für Dinge, die ihr Freude bereiten, hat einen Online-Shop gegründet und versucht weniger perfekt zu sein, was ihr gut tut. Hier geht es zum Blogbeitrag: ms-perspektive.de/interview-mit-ms-patientin-dana-alias-danabru_ Zusammenfassung aller Fragen und Antworten Vorstellung Dana ist 31 Jahre alt, seit kurzem verheiratet und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie wohnt in Rheinland-Pfalz, im schönen Mainz, und ist gemeinsam mit ihrer Schwester Mitbegründerin vom Label riena.Juli. Von Beruf Erzieherin genießt sie gerade ihre Elternzeit. Außerdem ist sie Familienmensch und hat einen großen Freundeskreis. Diagnose und aktueller Status Seit wann hast du die Diagnose und welches Symptom war der Anlass dafür? Die Diagnose habe ich im Mai 2021 bekommen im Krankenhaus. Anlass dazu waren Sensibilitätsstörungen und Taubheit am Rücken und Bauch teils auch am rechte Fuß. Wie hast Du die Diagnose aufgefasst? Und wie war es für Deine Liebsten? Mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich habe mit so einer Diagnose nicht gerechnet. Am Anfang wollte ich es nicht akzeptieren, bis sich der Schalter bei mir komplett umgelegt hat. Ich habe mich immer mehr mit der Krankheit auseinandergesetzt und mich richtig informiert. Jetzt sehe ich es als Chance. Meine Familie und Freunde habe ich von Anfang an mit im Boot gehabt. Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, wie es mir gerade geht. Das mache ich heute auch nicht. Sie stehen mir alle sehr zur Seite. Ohne sie schaffe ich das nicht. Welche Behandlung wurde Dir zu Beginn der Diagnose empfohlen und bist Du der Empfehlung gefolgt? Mir wurde direkt eine Basistherapie empfohlen. Ich habe viele Unterlagen mit nach Hause bekommen. Habe mich erstmal gegen Corona impfen lassen und dann mit der Basistherapie, Ende August auf der Hochzeit von meiner Freundin begonnen. Hat alles sehr gut geklappt, obwohl ich davor großen Respekt habe. Ich fühle mich mit Basistherapie viel sicherer! Wie gut wurdest du über Therapiemöglichkeiten informiert? Sehr gut. Ich habe ein sehr gutes neurologisches Team um mich herum. Sie haben mich aufgeklärt, mir zugehört und auch beruhigt. Ich habe das Gefühl, dass ich mit ihnen alles schaffen kann. Was hat Dir am Anfang geholfen mit der Diagnose fertig zu werden? Ich habe sehr viel darüber gesprochen mit meinen Freunden und meiner Familie. Manchmal auch 10-mal dasselbe aber immer wieder wurde mir zugehört. Anfangs habe ich ganz viel geweint und die Tränen auch zugelassen. Ich habe vieler deiner Podcastfolgen gehört und habe mich viel mit der Krankheit auseinandergesetzt. Außerdem habe ich mit Yoga, Malen, Meditieren (wieder)angefangen und zwei ganz liebe Freundinnen kennengelernt, die auch dieses Jahr die Diagnose bekommen haben. Darüber bin ich sehr dankbar! Ich denke, dass mich auch mein Optimismus aus diesem Loch wieder raus geholt hat. Wie geht es dir aktuell mit der MS? Mir geht’s sehr gut! Ich mache alles das, was ich kann und wozu ich Lust habe. Zwar etwas langsamer als gewohnt und vielleicht nicht mehr alles auf einmal. Ich merke zwar immer noch Taubheitsgefühle im Rücken und leider beim Sport an meinem Fuß. Aber das ist alles okay und vollkommen ertragbar. In sehr stressigen Wochen merke ich es an meinem Gang, aber das kommt eher selten vor. Was machst du, wenn du Symptome der MS verspürst? Wenn es sehr schlimm wird, versuche ich mehr Ruhe in meinen Alltag zu lassen und in mich rein zuhören, was mir jetzt in diesem Moment guttun könnte. Und mein Mann zwingt mich regelrecht zu Pausen! Leben, Beruf und Hobbies In welcher Lebensphase hast du die MS-Diagnose erhalten und hat es deine Pläne über den Haufen geworfen? Ich war gerade frisch gebackene Mama und wir haben uns gerade an das vollkommen andere Familienleben gewöhnt. Und dann kamen der Schub und die Diagnose! Da musste einiges verarbeitet werden. Ich denke, das die MS einige meiner Pläne über den Haufen geschmissen hat, aber nicht nur negativ! Welche Rolle spielt die MS in Deinem Leben und wie wirkt sie sich auf deine Familien, Deinen Beruf und Deine Freizeitgestaltung aus? Ich versuche ihr nicht viel Platz zu geben in meinen Leben. Momentan spüre ich sie mehr als alle anderen, die mit mir zusammen sind. Da ich momentan in Elternzeit bin, kann ich gar nicht sagen, wie sie in meinem Beruf eine Rolle spielt. In meiner Sportgestaltung geht sie mir ein wenig auf die Nerven wegen der immer mal wieder aufflammenden Taubheit am Fuß. Wie lange gibt es schon die Idee zu riena.Julie und was war der Auslöser für den Start? Meine Schwester wollte schon immer einen Onlineshop und träumt schon etwas länger von einem eigenen Laden. Der Auslöser es umzusetzen war dann nach meinem Schub im Mai. Da haben wir alles in die Wege geleitet und sind jetzt ganz stolz auf das, was wir geschafft haben. Und wir freuen uns auf das, was noch kommt. Wie teilst Du Dir mit deiner Schwester die Arbeit um das Label auf? Wir machen eigentlich vieles zusammen und arbeiten auch gemeinsam daran. Es gibt wenige Abende, an denen ich alleine Bestellungen verpacke und verschicke. Marie macht alles, was mit Instagram zu tun hat! Davon habe ich wenig Ahnung. :-) Und ich bringe meistens die kreativen Ideen mit … es macht aber sehr viel Spaß und es entsteht alles aus eigener Hand. Von Internetseite bis Produktbilder wir machen vieles selbst! Was ist eure Vision von riena.Julie? Dass es genauso weitergeht, wie es dieses Jahr geendet hat. Wir merken immer mehr, wie viel Freude wir bei der Arbeit haben und wer weiß, was noch passiert?! Vielleicht haben wir irgendwann einen eigenen Laden. Wer findet von euch schöne Kleinigkeiten? Dafür ist definitiv Marie zuständig. Sie hat dafür ein absolutes Gespür und einen tollen Geschmack! Ich bringe dann nur das Kreative mit ein! Wir ergänzen uns sehr gut. Wünsche und Ziele Gibt es einen großen unerfüllten Wunsch? Ich habe mir immer vorgenommen, mehr Yoga zu machen, und mehr zu Meditieren. Ja sogar mehr Ruhe und Zeit für mich. Ich habe es mir nie genommen. Nicht mal zum Bücherlesen kam ich. Jetzt versuche ich, mir die ganzen Wünsche zu erfüllen, und es geht mir viel besser dabei. Ich wünsche mir natürlich auch gut mit der MS zu leben. Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der MS in den kommenden 5 Jahren? Ich hoffe, dass die Wissenschaft immer weiter macht und das sie noch bessere Medikamente herstellen für alle Verläufe. Das man bei einem aktiven Schub nicht immer gleich unters MRT muss. Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Von meiner neurologischen Praxis „Alles kann, nichts muss!“ Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? Viva la Vida – Frieda Kahlo. Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Mit mir selbst aber 50 Jahre älter. Um zu sehen, wie es mir geht! Damit ich auf ein gutes Leben mit MS zurückblicken kann, tue ich alles dafür, das es ein gutes wird!  Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose... “ …nicht nur negativ! Sie hat mir geholfen viel mehr auf mich und mein Herz und Bauchgefühl zu hören.“ Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen? Die DMSG-Seiten und natürlich deine Seite. Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? Alexandra Reinwarth: Das Leben ist zu kurz für später: Stell dir vor, du hast nur noch ein Jahr – ein Selbstversuch, der dein Leben verbessern wird. Verabschiedung Hast du einen Tipp, den du frisch Diagnostizierten geben würdest, die gerade erst von der MS erfahren haben? Mit Menschen in Kontakt kommen, die schon länger MS haben oder die auch frisch diagnostiziert sind. Sich helfen lassen und Hilfe annehmen! Egal auf welchen Wegen … Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Egal ob selbst betroffen, Angehöriger oder Freund: Schaut nicht weg, lasst eure Liebsten nicht im Stich und gebe dich selbst nicht auf! Wo findet man dich im Internet? In Instagram unter danabru_ und unter riena.julie Webseite: rienajulie.wixsite.com/rienajulie/   Vielen Dank, liebe Dana, dass Du Deinen Weg von der Diagnose bis hierher geteilt hast. Ich wünsche Dir und Deiner Schwester ganz viel Erfolg, Dir einen stets milden Verlauf mit der MS und Dir und all den lieben Menschen um Dich herum immer viel Glück und Gesundheit. Bis bald und mach das beste aus Deinem Leben, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.
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    #118 Blasen- und Darmstörungen bei MS – Hol Dir Deine Lebensqualität zurück

    30:56

    Blasen- und Darmstörungen beschämen viele MSler. Zu Unrecht. Viele haben dieses Problem und es gibt mannigfaltige Unterstützungsangebote. Du erfährst im Beitrag: - Wann die Symptome im Krankheitsverlauf auftreten? - Welche Arten es gibt? - Was du selbst dagegen tun kannst? - Welche Hilfsmittel und Medikamente es gibt? - Wie Du mit dauerhaften Einschränkungen umgehen kannst? - Und was präventiv dagegen hilft bzw. gegen eine Verschlechterung der Symptome?   Hier geht es zum Blogbeitrag: https://ms-perspektive.de/blasen-und-darmstoerungen-bei-ms/ In Folge #118 geht es um Blasen- und Darmstörungen verursacht durch die Multiple Sklerose. Rund zwei Drittel aller Menschen mit MS haben mindestens Episoden mit einer gestörten Blasen- und Darmfunktion. Auslöser sind Entzündungen, die die Reizweiterleitung vom Gehirn über das Rückenmark zu Blase und Darm behindern. Leider ist es ein klassisches Tabuthema, dabei betrifft es längst nicht nur MS-Patienten. Frauen nach der Entbindung, aber auch viele Männer haben solche Probleme. Es spricht nur fast niemand darüber. Denn dank einer Vielzahl an Hilfsangeboten brauchst Du Dich nicht einzuschränken. Wann treten Blasen- und Darmstörungen bei Multipler Sklerose auf? Probleme mit der Blase gehören wie Sehstörungen zu den ersten Symptomen bei Multipler Sklerose. In wenigen Fällen sind sie alleiniges Erstsymptom. Bei ungefähr zehn Prozent aller MS-Betroffenen ist die Blasenstörung ein wesentlicher Teil der Symptome, die zur Diagnose führen. Bisher galt, dass nach einem Jahrzehnt Erkrankungsdauer rund zwei Drittel unter Blasenfunktionsstörungen leiden und sich davon in ihrem Alltag einschränken lassen. Von Darmfunktionsstörungen sind geschätzt 40-70 Prozent aller Menschen mit MS im Laufe der Erkrankung betroffen. Die Zahlen sind hier ungenauer, weil das Thema mit großer Scham besetzt ist. Bei beiden Störungen gilt, je eher das Problem angesprochen wird, umso eher kann es behandelt und kleingehalten werden. Welche Arten von Blasen- und Darmstörungen gibt es bei MS? Bei der Blase kommt es mit abnehmender Häufigkeit zu einer überaktiven Blase, einem geringen Harndrang oder einer inaktiven Blase. Die überaktive Blase kann den Urin nur schlecht halten, da der Blasenmuskel krampft. Die Folge sind häufige Toilettenbesuche bis hin zum Einnässen. Dieses Symptom tritt am meisten auf. Wenn der Harndrang nur gering ist, funktioniert die Entleerung der Blase nicht richtig. Der Urinstrahl beginnt langsam und stoppt vorzeitig. Die weiterhin recht volle Blase kann zu einer Beckenbodenspastik führen. Eine inaktive Blase tritt am seltensten auf. Hier fehlt der Harndrang gänzlich, da der Blasenmuskel schlaff ist und nicht mehr funktioniert. Viel zu selten wird die Toilette aufgesucht. Die Blase ist übervoll und bei Husten, Niesen, Lachen oder anderweitigem Druck läuft die Blase über. Im Rahmen der Darmstörungen steht die Verstopfung ganz klar an erster Stelle. Deutlich seltener kommt es zu einem unkontrollierten Stuhlverlust, einer Darminkontinenz. Prinzipiell ist es auch möglich beide Probleme im Wechsel zu haben. Das ist aber eher der Fall, wenn die Symptome lange nicht behandelt wurden und über die Zeit schlimmer geworden sind. Daher bitte immer zügig beim Neurologen ansprechen. Oftmals funktioniert der Transport nicht mehr gut, in deutlich weniger Fällen ist ein spastischer Schließmuskel für die Probleme verantwortlich. Was kannst Du selbst bei Funktionsstörungen von Blase und Darm tun? Du kannst mit Deinem Verhalten viel dazu beitragen, Blase und Darm in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Alle folgenden Tipps beziehen sich nur auf die MS. Solltest Du weitere Erkrankungen haben, wie Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, oder andere, bitte zunächst mit Deinem Arzt abklären. Ernährung Trink ausreichend Wasser oder Tee, am besten ungesüßt und nicht zu stark, damit Dein Körper wirklich viel Flüssigkeit davon erhält. Kaffee oder andere intensive koffeinhaltige Getränke bitte nur in Maßen genießen. Ich gieße meinen grünen Tee immer sehr oft auf und lasse ihn nur kurz ziehen. So habe ich einen angenehmen Geschmack, aber wenig Teein. Früh und nachmittags gibt es jeweils einen Espresso bei mir. Das hilft mir gegen die Müdigkeit und liegt völlig im Rahmen. Reduziere möglichst Deinen Alkoholgenuss. Alkohol betäubt eher die Sinne und auch den Körper und ist bei MS besser nur selten und in geringen Mengen zu genießen. Iss möglichst ballaststoffreich und ausgewogen. Also viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Obst. Fermentierte Speisen sind ebenfalls gut für eine gesunde Darmflora und einen aktiven Darm. Dazu gehören Joghurt, Buttermilch, Essig für den frischen Salat oder Sauerkraut. Fleisch und Wurst nur in geringen Mengen. Eher salzarm, und Fett nur in Maßen. Generell tut Abwechslung auf dem Teller gut. Dann erhältst Du alle Inhaltsstoffe, die Dein Körper braucht. Falls Du Probleme mit Restharn hast, sind Cranberrysaft oder Preiselbeersaft gut, um das Bakterienwachstum in Deiner Blase zu hemmen. Hör gern in die bereits vorhandenen Folgen zum Thema rein: #038 – Gesunde Ernährung bei Multipler Sklerose #091 – Interview mit Dr. Petra Goergens zu gesunder Ernährung bei MS #094 – Details zur gesunden Ernährung bei MS von Dr. Goergens Verhalten Unterdrücke Deinen Harndrang nicht, indem Du die Beine übereinanderschlägst. Was in seltenen Fällen vielleicht mal nötig ist, kann auf Dauer eine bestehende Spastik weiter verstärken. Gehe lieber vorbeugend oder in regelmäßigen Abständen auf Toilette. Versuche, das richtige Maß zu finden, indem Du Deine Blase nicht auf immer geringere Füllmengen trainierst, aber auch nicht verkrampfst. Tägliche Beckenbodenübungen helfen Deinen Muskeln wieder stark zu werden und der Symptomatik entgegenzuwirken. Es gibt jede Menge davon. Yoga hält viel bereit, spezielle Beckenbodenkurse, Aquagymnastik, einfaches Anspannen und Entspannen. Für Frauen gibt es gerade nach der Geburt gezielte Beckenbodenübungen, aber auch für Männer. Treppensteigen trainiert den Beckenboden und eine besonders charmante Art ist übrigens Sex. Also nicht als Mittel zum Zweck, aber eben als netter Effekt nebenbei. Joggen hingegen oder andere Übungen, bei denen viel auf und ab gehüpft wird, wie Trampolin springen, sind kontraproduktiv bei einem geschwächten Beckenboden. Bewege Dich regelmäßig und versuche eine gute Mischung aus Dehnung, Kraft und Ausdauer in Dein Sportprogramm einzubauen. Das hilft Dir vor allem bei Darmproblemen, ist aber für Dein generelles körperliches Wohlbefinden und eventuelle andere Symptome ebenfalls sehr gut. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Du zu viel Restharn in der Blase hast, kannst Du Deine Trinkmenge und den Urinabgang auch in einem Tagebuch festhalten. Das bedeutet natürlich, dass Du messen musst, wie viel du gepullert hast mit einer Art Messbecher. Oder Du wendest Dich an Fachpersonal, die mittels Ultraschall oder anderer Verfahren ebenfalls dazu Auskunft geben können. Bei stärkeren Problemen mit Verstopfung kann eine Dickdarmmassage, auch Kolonmassage genannt, sehr angenehm sein. Wenn Du sie nur selten benötigst, kann sie ein Physiotherapeut durchführen. Bei einem regelmäßigen Problem solltest Du sie Dir erklären lassen, damit Du Dir selber etwas Gutes tun kannst. Psyche Vielleicht musst Du öfter aufs Klo, wenn Du emotional angespannt bist. Dann kann es hilfreich sein, eine Gesprächstherapie zu nutzen, ob als eins zu eins Psychotherapie oder in größeren Gesprächsrunden musst Du für Dich herausfinden. Medikamentencheck Es kann sein, dass Antispastika oder andere Medikamente Deine Darmstörungen intensivieren. Frag am besten Deinen Neurologen danach und wägt gemeinsam ab, wie sich die Vorteile zu den Nebenwirkungen verhalten, bevor ihr etwas anpasst. Schließlich kann es bei der MS gut sein, dass Du mit mehreren Symptomen zu kämpfen hast. Generell gilt, dass Du die geschädigten Nerven mit den genannten Maßnahmen zwar nicht reparieren kannst, aber Deinem Körper dabei hilfst, alle anderen Einflussfaktoren auf Blase und Darm zu optimieren. Dadurch verringert sich ganz gewiss das Problem. Welche Hilfsmittel und Medikamente gibt es gegen Blasen- und Darmstörungen? Medikamente Es gibt Medikamente, die das spastische Zusammenziehen der Blase abmildern, andere wirken sich entspannend auf den Schließmuskel aus. Wenn Du nachts nicht mehr durchschlafen kannst, ist es möglich, die Urinproduktion zeitweise zu verringern oder aber den Muskel, der für den Blasendrang verantwortlich ist, den Austreibermuskel, gezielt abzuschwächen. Falls die Blasenprobleme bei Dir zu einem akuten Harnwegsinfekt führt, helfen Antibiotika. Für den Darm werden wasserspeichernde Abführmittel genutzt. Mittels Osmose ziehen sie Wasser in den Dickdarm zurück, damit Dein Stuhlgang nicht hart wird, sondern schön weich bleibt und dadurch einfacher ausgeschieden werden kann. Außerdem regt eine größere Stuhlmenge, durch das mehr an Wasser, die Darmtätigkeit besser an. Darüber hinaus gibt es Medikamente, die den Transport anregen. Falls der äußere Schließmuskel massiv von einer Spastik betroffen ist und Schmerzen verursacht, kann eine Injektion für Abhilfe sorgen. Und falls das entgegengesetzte Problem auftritt, also ungewollter Stuhlabgang kannst Du medizinische Kohletabletten nutzen. Sie binden den Darminhalt. Hilfsmittel Auffanghilfen und Stopper Es gibt ein großes Portfolio an Hilfsmitteln, die Dir dabei helfen möglichst entspannt am normalen Leben teilzunehmen ohne Rücksicht auf Deine MS-Symptome nehmen zu müssen. Dazu zählen Inkontinenzhilfen, die Urin und Kot auffangen. Für Frauen sind es spezielle Einlagen und Tampons und für Männer eine Art Kondom. Beim Darm ist es für beide Geschlechter eine Art Tampon. Selbst Schwimmen ist damit weiter möglich. Und Schwimmen oder Aquasport zählt zu den Sportarten, die bei MS besonders gut sind. Umso schöner, dass Hilfsmittel Dir dabei helfen können, dem Wassersport weiter nachgehen zu können. Gezielte Entleerung von Blase und Darm Falls Du Probleme mit dem Entleeren Deiner Blase hast, kannst Du lernen, Dich selbst zu katheterisieren. Dafür brauchst Du allerdings eine gute Feinmotorik, um Dich nicht versehentlich zu verletzen. Eine Stufe weiter gibt es die Dauerharnableitung oder einen Blasenschrittmacher. Für die Darmentleerung gibt es Klistiere und andere Hilfsmittel, die kontrolliert den Darm spülen, um ihn anschließend zu entleeren. Bitte unternimm hier keine Selbstversuche, sondern lass Dir die Technik und Gerätschaften von einer Fachkraft erklären. Das Wasser darf nicht zu weit in den Darm zurückfließen, das wäre gefährlich. Was kannst Du in akuten Phasen tun? Sprich Deinen Neurologen an. Dir kann mit Sicherheit geholfen werden. Und je besser Dein Neurologe von allen Symptomen weiß, desto gezielter kann er Dir helfen und abwägen in der Behandlung, wenn Du mehr als ein MS-Symptom hast. Und wenn Blasen- und Darmstörungen dauerhaft bleiben? Gibt es viele Experten, die Dir zur Seite stehen können. Ernährungsberater, Physiotherapeuten, medizinische Fachkräfte für Inkontinenz. Du bist nicht allein. Das Problem haben viele. Aber Du findest nur Linderung, wenn Du Dich traust, darüber zu sprechen. Je offener Du die Sachlage schilderst und wo Du durch die Blasen- oder Darmstörung überall eingeschränkt bist, desto besser können all diese Situationen abgeschafft werden. Für ein erfülltes und schönes Leben mit MS. Du solltest außerdem den Euro-WC-Schlüssel beim CBF Darmstadt beantragen, wenn Du Dich innerhalb Deutschlands oder Europas bewegst. Er verschafft Dir Zugang zu über 12.000 öffentliche Behinderten-WCs an. Das kann eine enorme Erleichterung beim Reisen sein. Denn oft sind die Schlangen fürs WC an Bahnhöfen oder in Innenstädten lang. Du benötigst dafür nur eine Bestätigung von Deinem Neurologen, dass Du eine Inkontinenz hast. Auf den Seiten von Amsel e.V. findest Du eine gute Übersicht zur symptomatischen Behandlung von: Blasenfunktionsstörungen Darmfunktionsstörungen Zum neurogenen Darm gibt es bereits eine Podcastfolge: #092 – Interview mit Franziska Weise zum neurogenen Darm bei MS und Hilfsmöglichkeiten Was ist die beste Prävention gegen Blasen- und Darmstörungen? Das Du ein gesundes Leben führst mit ausreichend Bewegung, Deinen Beckenboden trainierst, ausgewogener Ernährung, ausreichend Trinken und wenig Genussmitteln. Und natürlich gehört eine funktionierende Basistherapie dazu, die Dich vor weiteren Läsionen und Schüben bewahrt und die Multiple Sklerose möglichst komplett stoppt oder mindestens stark verlangsamt. Denkanstoß Sprich mit Deinem Neurologen über Deine Blasen- oder Darmstörung, egal ob sie akut auftritt oder Du sie schon länger hast und Dich bisher nicht getraut hast darüber zu reden. Hilfe ist in vielfältiger Weise möglich. Du musst nur das Problem ansprechen und um Unterstützung bitten. Dein behandelnder Arzt kann Dich beraten und ihr könnt gemeinsam eine Strategie ausarbeiten, wie ihr dem Problem begegnen wollt. So viel wie nötig und so wenig wie möglich ist sicherlich ein guter Weg. Denn wenn Du zunächst mit eigenen Maßnahmen gegensteuern kannst, bleiben Dir weitere Optionen offen, wenn sich das Symptom verstärkt. Aber bitte nicht zu lange warten, dass verschärft die Blasen- und/oder Darmfunktionsstörung womöglich. Und falls es akut ist, kann ein beherztes Eingreifen ebenfalls die beste Wahl sein. Frage an Dich Leidest Du unter Störungen von Blase oder Darm?   Bestmögliche Gesundheit wünscht Dir, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine Übersicht aller Podcastfolgen.
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    #117 - Interview mit Daniel Peters, Coach für Bewegungslehre und Selbstmanagement

    40:50

    Daniel arbeitet seit Ende 2021 als Coach für Bewegungslehre und Selbstmanagement. Anlass für seinen Weg waren seine eigenen Erfahrungen mit einer hartnäckigen Fatigue, die ihn als junger Mann Anfang 20 für gute anderthalb Jahre intensiv begleitet haben. Daniel nutzte die Zeit um sich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, viele Dinge auszuprobieren und am Ende seinen neuen Weg zu finden, der ihn wieder zurück in ein aktives und deutlich bewussteres Leben geführt hat. Hier geht's zum Blogartikel: ms-perspektive.de/interview-mit-daniel-peters-coach-fur-bewegungslehre-und-selbstmanagement/ Vorstellung Daniel Peters ist 25 Jahre alt, stammt aus Norddeutschland und hat einen Abschluss in Verfahrenstechnik. Er ist Autodidakt, selbstständiger Coach für Bewegungspraxis und Soft Skills/Persönlichkeitsentwicklung. Motivation zu daniels project Wie sah Dein Leben vor 5 Jahren aus? Vor ca. fünf Jahren befand ich mitten in meinem dualen Studium Verfahrenstechnik und habe neben meinen universitären und beruflichen Pflichten viel Calisthenics (Training mit dem eigenen Körpergewicht) betrieben und bin, wie viele andere Studenten auch, am Wochenende gerne gefeiert und Alkohol getrunken. Welches Ereignis hat alles über den Haufen geworfen? Im Wintersemester 2018 bin ich ins Auslandssemester nach Schottland gegangen. Dort habe ich mich anfangs erkältet, habe diesen kleinen Infekt jedoch ignoriert und weiter mein Training durchgezogen. Nach einigen Wochen ohne Besserung habe ich mir dann eine Grippe eingefangen, die ich dann weiter durch Partys und Training verschleppt habe. Davon habe ich mich nicht wieder richtig erholen können und hatte anschließend über mehrere Monate mit Symptomen einer chronischen Müdigkeit zu kämpfen. Wie hat sich die chronische Müdigkeit bei Dir geäußert und auf welche Art hat sie Dein Leben beeinflusst? Ich war dauerhaft erschöpft, konnte nicht mehr mit dem Fahrrad zur Uni fahren, hatte Probleme beim Treppensteigen und war extrem empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen wie Lärm, Gerüchen sowie Kälte und Wärme. Größere soziale Zusammenkünfte haben mich total überfordert und trotz neun bis zwölf Stunden Schlaf war ich am nächsten Tag nicht erholt. Meditation, Zeit mit mir selber zu verbringen und Zeit in der Natur haben mir gutgetan. Einen Film zu schauen oder am Handy zu sein waren eher Dinge, die für mich anstrengend waren. Was hat Dir geholfen, wieder rauszukommen und wieder mehr Energie zu haben? Zunächst einmal gegenüber mir selbst ehrlich zu sein. Den gegenwärtigen Zustand zu akzeptieren und diesen anschließend zu hinterfragen. Dadurch habe ich mich viel mit mir selber beschäftigt und meinen Alltag komplett umgestellt. Aus sämtlichen Aktivitäten habe ich mich zunächst zurückgezogen und daraufhin nach Wegen gesucht, mehr Kraft und Energie im Alltag zu haben. Häufig hat mir kaltes Duschen geholfen, Meditation, schriftliche Selbstreflexion und eine gewisse (Neu)- Findung durch andere, für mich zuvor uninteressante Aktivitäten (Sprachen lernen, Gitarre spielen, Besuch von Vorträgen zu Themen unterschiedlichster Art). Am meisten hat mir jedoch das Buchinger Heilfasten geholfen, eine Fastenphase von sieben Tagen und eine Phase von 14 Tagen. Danach ging es langsam wieder bergauf. Für die nächsten anderthalb Jahre habe ich mich vegan ernährt, mit vielen verschiedenen Ernährungsweisen gespielt, auf Alkohol verzichtet und Zeit mit Freunden und mir selber qualitativ hochwertiger gestaltet (mehr Zeit an der frischen Luft, gute Gespräche, ehrliche Verbindungen, etc.). Wann entstand die Idee zu daniels project und hast Du gleich gewusst, dass Du Dich damit selbstständig machen möchtest? Im August 2020 nach einem Trainingscamp bei meinem Freund und Lehrer Jonathan Schmid hatte ich ein Gespräch mit einer guten Freundin und hatte eine Art Erleuchtung, dass ich in meinem Leben etwas anderes machen möchte als das, was ich zu der Zeit getan habe. Die Idee von daniel’s project hat sich dann erst im Januar 2021 mit dem Bau der eigenen Website langsam entwickelt und entwickelt sich noch immer. Die Idee von daniel’s project muss aber dennoch in Linie mit meiner eigenen Philosophie sein. Ist die chronische Müdigkeit bei Dir vollständig weg oder zeigt sie sich immer noch ab und an? Diese zeigt sich nur noch in Zeiten von viel Stress/Arbeit/Training, etc.. Da ich aber mich mit der Zeit sehr gut kennengelernt habe, kommt dies kaum noch vor. Ich weiß heute meine Stressoren ganz gut einzuschätzen und daher auch, wie ich dementsprechend meinen Alltag zu gestalten habe. Hat die Corona-Pandemie auch eine Rolle bei Deiner Entscheidung für daniel’s project gespielt? Definitiv! Ich kann mich glücklich schätzen, dass mir die Auswirkungen der Pandemie (fast) keine Probleme bereit haben. Keinerlei ernsthafte Erkrankungen in der Familie oder im Bekannten- und Freundeskreis, keine Ängste vor Jobverlust, sichere Wohnsituation mit tollen Mitbewohnern. Der Park Planten un Blomen war vor der Tür, mein Teilzeitjob hat mir viel freie Zeit für Training & zum Nachdenken gegeben und das Wetter war wirklich klasse im Frühjahr und Sommer 2020. So konnte mich auf meine eigene Art & Weise entwickeln und zudem ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein aneignen, um meine eigenen Projekte voranzubringen. Interessante Angebote für MS-Patienten bei daniels project Was muss man sich unter Floor Work vorstellen und für wen ist diese Art der Bewegung geeignet? Floor Work, also im Deutschen Bodenarbeit, sind einfach gesagt nur Bewegungen am Boden. Der Ursprung kommt m.W.n. aus dem Modernen Tanz und ist auch darüber ziemlich populär geworden. Auch im Breakdance kennt man ja verschiedene Bewegungen am Boden. In der Bewegungslehre nutzen wir Elemente aus diesen Bereichen, um uns am Boden zu bewegen. Der Boden ist wie ein Partner, der konstant Feedback gibt. Der größte Mehrwert von Floor Work besteht m.E. darin, dass man lernen muss, Entspannung zu finden. Diese Art von Bewegung ist für alle Menschen geeignet. Jeder kann einfach mal probieren sich auf den Rücken zu legen und versuchen die Beine zu bewegen, ohne mit den Fußballen/den Füßen den Boden zu verlassen. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten und Varianten sich über den Boden zu bewegen. Das Ganze kann man natürlich noch beliebig erweitern und es macht superviel Spaß. Du hast auch eine Commovity gegründet, eine Gemeinschaft, um zusammen Bewegungssport auszuführen. Was verbirgt sich genau dahinter? Genau, gewissermaßen kann man nicht gemeinsam sich bewegen, da es sich um eine Online Community handelt. Im Bewegungsbereich aus dem ich komme, findet das Training häufig alleine statt, es ist keine Teamsportart wie z.B. Fußball. Ich habe aber einen großen Teil meines Lebens Fußball gespielt und das immer sehr genossen. Nicht nur den Sport gemeinsam auszuführen, sondern viel mehr noch der Austausch untereinander. The ComMOVEity ist eine Onlineplattform, auf der man sich für relativ wenig Geld (15-20€/Monat) zu verschiedenen Themen weiterbilden kann (Parkour, Handstand, Akrobatik, Floor Work & Tanz, Krafttraining, Meditation, etc.) und sich darüber hinaus mit anderen Menschen auf der Welt austauschen kann. Können Menschen mit gewissen körperlichen Einschränkungen ebenfalls von den Bewegungsangeboten bei Dir profitieren? Aber klar. Auf meiner Website habe ich einen Onlinekurs „Bewegung für Alle“, der sich an Menschen richtet, die sich in ihrem Alltag etwas mehr bewegen möchten. Bewegung für alle ist zwar ein ziemlich weit gefasster Begriff, doch mir war es wichtig, die Bewegungen so aufzubauen, dass sie für möglichst viele Menschen durchführbar sind. Sei es für jemanden, der viel im Büro sitzt und Rückenschmerzen vorbeugen möchte oder für Bewegungsinteressierte, die nach neuen Ideen und Perspektiven suchen. Der Onlinekurs umfasst drei verschiedene Bewegungseinheiten, die ca. 20-40 Minuten dauern. Jeder kann die Dauer und die Schwierigkeitsstufe selbst bestimmen. Zusätzlich habe ich noch etwas Theorie zu Bewegung eingebaut sowie ein paar Übungen und Meditationen zur Entspannung. Ich versuche mich immer in die Lage eines potentiellen Kunden hineinzusetzen und in diesem Fall habe ich einfach meine Eltern genommen, die beide Mitte 50 sind und einem 40h/Woche Job nachgehen, in dem sie sich nicht viel bewegen. Mein Ziel war es, ihnen Bewegung etwas näher zu bringen und dazu anzuregen, davon mehr in den Alltag einzubauen. Dennoch bin ich über Feedback immer sehr dankbar. Du hast auch einen Kurs zur bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Routinen und Ist-Soll-Abgleich. Für wen eignet sich der Kurs und was lernt man dabei? Genau genommen ist es kein Kurs, sondern ein 15-seitiges Dokument, in dem ich verschiedene Wege von schriftlicher Selbst-Reflexion vorstelle. Eine Methode, nämlich das Habit Tracking (also zu Deutsch das Tracken von Gewohnheiten) hat mir während meiner Erschöpfungsphase viel geholfen und das mache ich bis heute noch. Ich selbst bin ein großer Fan von solchen Praktiken. Es geht hier nicht um das klassische Tagebuch schreiben, sondern um Methoden, die eigenen Gedankenprozesse zu verstehen und in das innere Selbst zu blicken. In den Spiegel schauen wir mehrmals pro Tag und es fällt uns sofort auf, wenn etwas äußerlich nicht zu dem passt, wie wir uns das vorstellen. Ein externes Feedback zu erhalten ist demnach relativ leicht, doch ein internes Feedback zu erhalten eben nicht. Da muss man schon etwas genauer nachforschen, aber es lohnt sich. Know thyself (Kenne dich selbst) ist etwas, das noch aus dem alten Griechenland stammt und sich etwas platt anhören kann, doch für mich, die Hörer und alle anderen unglaublich wichtig sein sollte. Mit Kenne dich selbst ist nicht der Aufbau eines Selbst gemeint, sondern die Bedienungsanleitung. Wie funktioniere ich eigentlich? Was kann ich und was kann ich nicht? Solche zu Fragen sich erstmal zu stellen und dann auch noch zu beantworten, kann von ziemlich hohen Wert sein. Das fördert die eigene Akzeptanz und und eine ehrliche Lebensweise. Was würdest Du jemandem raten, der gern mal reinschnuppern möchte, ob es ein passendes Angebot gibt? Einfach mal auf meiner Website nachschauen, die ist ziemlich übersichtlich Gestaltet. Ansonsten freue ich mich immer über E-Mails oder sonstige Nachrichten mit Vorschlägen oder Fragen. Das hilft mir auch ungemein dabei, neue Angebote zu kreieren. So weiß ich immer, was von anderen eigentlich gewünscht wird. Ich kann hier im Podcast so viel erzählen, wie ich möchte, letztendlich kann ich nur versuchen, zu erahnen, was von den Hörern da draußen gewünscht wird. Also gerne mit mir in Kontakt treten, das hilft bestimmt. Tipps Was war dein tiefster Tiefpunkt mit der chronischen Fatigue und wie hast du dich wieder empor gekämpft? Tiefpunkte hatte ich viele, jedoch ist mir ein Erlebnis besonders im Gedächtnis geblieben. Das war Ende Oktober 2018 im Stadion in Glasgow, als ich Celtic Glasgow gegen Red Bull Leipzig mit Freunden geschaut habe. Die Atmosphäre war phänomenal, ich war aber einfach nur fertig und wollte da weg – es war schrecklich. Dies war ein markanter Punkt in meiner Vergangenheit, an dem ich wusste, dass ich etwas ändern muss. Was machst du, wenn du Symptome der chronischen Fatigue verspürst? Slow down… Alles etwas langsamer und entspannter angehen. Mich reflektieren und versuchen herauszufinden, was die Ursache/Ursachen dafür sein könnte/n. Ehrlich zu mir sein und wenn nötig, in den kommenden Tagen nur Dinge zu tun, die mir guttun. Nicht nur ehrlich zu mir selbst zu sein, sondern auch zu den Menschen in meinem Umfeld. Sie darüber aufzuklären, wie es mir gerade geht – dies stößt dann immer auf Akzeptanz und Empathie. Wünsche und Ziele Hast Du einen großen unerfüllten Wunsch? Tatsächlich nicht. Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der Bewegungslehre? Weniger Arroganz. Viele Menschen im Bereich der Bewegungslehre sind der Meinung, dass sie die EINE Wahrheit gefunden haben und projizieren dies auf Alle anderen. Die einzige Wahrheit da draußen ist die, die wir für uns selber entdeckt haben. Ich denke, dass jeder für sich seinen Weg finden muss und wenn jemand anderes meinen Weg genauso als seinen Weg betrachtet, dann ist das schön. Dennoch ist dies eher die Ausnahme als die Regel und man sollte die Bewegungslehre dazu nutzen, eher die Leitplanke darzustellen als den Weg. Bewegung hat einen unglaublichen Mehrwert, aber für jeden auf eine andere Art und Weise. Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Schwierig zu beantworten. Meiner Meinung nach gibt es auch kein „bestes“ Buch, das ich jemals gelesen habe. Wer krank ist und ein Buch über Heilung liest, wird dies wahrscheinlich als das beste Buch empfinden. Von daher (die letzten Dezemberwochen waren für mich persönlich sehr bescheiden) der Ratschlag einer guten Freundin: Es ist okay. Es ist okay, eine schlechte Phase zu haben. Es ist okay, Probleme zu haben. Das hat mir wirklich geholfen. Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? Vorwärts leben, rückwärts verstehen. Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Mit John Vervaeke, ein Professor der Toronto University über den Sinn des Lebens. Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom: Fiktive Handlung zwischen dem Arzt Josef Breuer und dem Philosophen Friedrich Nietzsche, der unbewusst von Breuer therapiert werden soll. Nietzsche konfrontiert Breuer dann über die Zeit mit seiner philosophischen Wahrheit und das Blatt wendet sich… Verabschiedung Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt als die chronische Fatigue Dich gerade voll aus dem Leben geworfen hat? Tatsächlich nicht. Ich habe superviel in der Zeit gelernt und hätte eher meinem jüngeren Ich vor dem Zusammenbruch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben. Ansonsten würden wir wahrscheinlich heute nicht hier sitzen. Wer weiß das schon… Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Respekt und Anerkennung. Ich gehe mal davon, dass jeder, der das hier hört sich mehr oder weniger mit seiner Krankheit auseinandersetzt. Das finde ich klasse. Sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen heißt auch, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Damit ist jeder Hörer hier wahrscheinlich schon vielen Menschen da draußen ein Schritt voraus. Wo findet man dich im Internet? Meine Website lautet www.danielsproject.com, auf Instagram heiße ich daniels.project und auf LinkedIN Daniel Peters – die Social Links lassen sich aber auch auf meiner Website finden.   Vielen Dank Daniel für Deine Zeit, das Teilen Deiner Erfahrungen mit der Fatigue und den Anstoß zu mehr Bewegung und Selbstreflexion. Ich wünsche Dir maximale Erfolge, damit Du vielen Menschen helfen kannst, bewusster, glücklicher und körperlich aktiver zu werden.   Bis bald und mach das beste aus Deinem Leben, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.
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    #116 - Schlafstörungen bei MS – wenn die Regeneration ausbleibt oder stark gestört wird

    21:57

    Schlafstörungen bei Multipler Sklerose können viele Symptome negativ beeinflussen, deshalb sollten sie unbedingt behandelt werden. Hier geht es zum Beitrag: https://ms-perspektive.de/schlafstorungen-bei-ms-wenn-die-regeneration-ausbleibt/   Kurzzusammenfassung: 75% aller Menschen mit MS leidet unter Schlafstörungen, die die Lebensqualität mehr oder weniger reduzieren. Im Kern bedeutet eine Schlafstörung, dass Deine Tiefschlafphase zu kurz ausfällt. Dadurch verschlechtern sich oft andere MS-Symptome, allen voran, die Fatigue. Kognitive Störungen und depressive Verstimmungen nehmen ebenfalls zu. Alle typischen Auslöser für Schlafstörungen sind recht gut behandelbar, sobald sie eindeutig diagnostiziert wurden, zum Teil auch eigenständig durch Verhaltensänderungen. In Folge #116 geht es um Schlafstörungen, verursacht durch die Multiple Sklerose und wie sie behandelt werden können. Fast drei Viertel aller Menschen mit MS leidet unter Schlafstörungen, die die Lebensqualität mehr oder weniger reduzieren. Im Kern bedeutet eine Schlafstörung, dass Deine Tiefschlafphase zu kurz ausfällt. Dadurch verschlechtern sich oft andere MS-Symptome, allen voran, die Fatigue. Kognitive Störungen und depressive Verstimmungen nehmen ebenfalls zu. Alle typischen Auslöser für Schlafstörungen sind recht gut behandelbar, sobald sie eindeutig diagnostiziert wurden. Leichteren Schlafproblemen kannst Du sogar selbstständig mit Verhaltensänderungen entgegenwirken. Wie zeigen sich Schlafstörungen? Wenn Du über einen längeren Zeitraum regelmäßig schlecht schläfst, leidet Deine Konzentration. Du kannst Dich nicht mehr gut erinnern oder Dir neue Informationen merken. Bei vielen Menschen kommen starke Stimmungsschwankungen hinzu, die Gelassenheit sinkt. Im Straßenverkehr, aber auch Aktivitäten zuhause, im Garten, im Büro oder beim Sport steigt die Unfallgefahr. Viele fühlen sich tagsüber müde, schlafen schnell ein, sobald ein kurzer Moment der Ruhe gegeben ist, und sind weniger aufmerksam. Das kann zu Spannungen im Miteinander führen, weil Dein Gegenüber Deine Müdigkeit eventuell als Desinteresse interpretiert. Außerdem steigt Dein Risiko für: Stoffwechselerkrankungen, wie Gicht, Herzerkrankungen, wie Bluthochdruck, und dementielle Störungen, wie Alzheimer. Welche Arten von Schlafstörungen treten auf? Schlafstörungen nehmen im Verlauf der Krankheit zu. Meist handelt es sich um eine Insomnie, das Restless-Legs-Syndrom oder eine schlafbezogene Atmungsstörungen, wobei auch eine Kombination vorliegen kann. Als vierte Ursache kommt eine Depression oder Erschöpfung unabhängig von der MS in Frage. Die Insomnie stört das Ein- und Durchschlafen. Man spricht davon, wenn das Problem mindestens dreimal pro Woche für mehr als vier Wochen auftritt. Auslöser gibt es viele von Blasenstörungen über Schmerzen aufgrund der Spastik bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten oder einer Depression. Beim Restless-Legs-Syndrom kribbeln Beine oder Arme, sobald sie ruhig liegen. Es kann auch zu einem Ziehen kommen. Durch Bewegung lässt das unangenehme Gefühl nach, aber der erholsame Schlaf wird durch die Bewegung verhindert. Wenn eine schlafbezogene Atmungsstörung vorliegt, kommen deutlich mehr Atemaussetzer als normal vor. Zum eigenen Schutz lässt der Körper dann keinen Tiefschlaf zu, da das lebensgefährlich sein könnte. Bei diesem Problem kann die Schlafphase lang sein, dennoch nicht erholsam. Außerdem kann eine Fatigue oder depressive Gemütslage, die nicht durch die MS ausgelöst ist, und nicht erkannt wurde zu Schlafstörungen führen. Meist kreisen die Gedanken in negativen Spiralen, Probleme werden ohne Lösungen immer wieder zergrübelt und das Durchschlafen ist beeinträchtigt. Wie werden Schlafstörungen diagnostiziert? Zunächst einmal muss das genaue Problem oder das Mischungsverhältnis aus Ursachen klar sein. Sprich in jedem Fall Deinen behandelnden Neurologen an. Gemeinsam könnt Ihr überlegen, ob es ausreicht, wenn Du Fragebögen ausfüllst oder zur genauen Analyse für ein bis drei Tage in ein Schlaflabor gehst. Im Schlaflabor werden verschiedenste Werte von Dir aufgenommen und analysiert von den Gehirnwellen, über die Sauerstoffsättigung bis hin zu Videoaufnahmen, die zeigen, wie oft und viel Du Dich bewegst. So kann bei Bedarf innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne die Ursache gründlich ermittelt werden. Denn nur mit einer klaren Diagnose kann Dir effizient geholfen werden. Welche Verhaltensanpassungen helfen bei Schlafstörungen? Eine gute Schlafhygiene ist in jedem Fall hilfreich. Dazu gehört ein kühles Zimmer, in dem Du weder schwitzt noch frierst, eine angenehme Atmosphäre und eine gute Matratze, die alle paar Jahre gewechselt werden sollte. Ob Du lieber komplett ruhig oder mit sanften Geräuschen einschläfst, ist Typsache. Halte einen geregelten Schlafrhythmus ein. Schlafe nicht zu lang und verzichte auf einen Mittagsschlaf, wenn Du nachts nicht ein oder durchschlafen kannst. Bewege Dich ausreichend an der frischen Luft. Verzichte auf digitale Medien kurz vor dem Schlafengehen. Gönne Dir tagsüber genügend Pausen und nutze Entspannungstechniken, wie Meditation oder Yoga, um Dein generelles Stresslevel niedrig zu halten. Fantasiereisen können Dir dabei helfen, Dich auf schöne Dinge zu konzentrieren. Probiere doch mal aus, ein Glückstagebuch zu führen, und trage jeden Abend drei schöne Momente des Tages ein. Vermeide Nikotin, Koffein und Alkohol, da sie einen erholsamen Schlaf erschweren oder gar verhindern können. Und esse nichts schwer Verdauliches mehr vorm Zubettgehen. Wenn Du doch nachts aufwachst, dann ignoriere den Wecker, denn das stresst Dich nur unnötig. Falls Du mehr als 30 min wachliegst, kannst Du aufstehen und Gedanken, die Dich vom Schlaf abhalten aufschreiben oder einer ruhigen Tätigkeit nachgehen, um wieder müde zu werden. Welche Hilfsmittel und Medikamente gibt es gegen Schlafstörungen? Falls Spastiken oder Blasenstörungen Deinen Schlaf verschlechtern, kann sich eine Behandlung dieser Symptome positiv auswirken und Deine Nächte ruhiger machen. Bei Atemaussetzern kann Übergewicht die Ursache sein. Dann solltest Du versuchen, Dein Gewicht zu reduzieren. Es kommen auch spezielle Unterkieferschienen oder eine nächtliche Maskendruckbeatmung in Frage. Es kann sein, dass Du erst nach mehreren Wochen merkst, dass die Behandlung anschlägt. Denn wenn Dir der Tiefschlaf über einen längeren Zeitraum gefehlt hat, muss er erst wieder aufgeholt werden. Erst danach steigert sich Dein Wohlbefinden. Beim Restless-legs-Syndrom sollten Medikamente nur sehr sparsam eingesetzt werden, um eine gegenteilige Wirkung zu verhindern. Hier solltest Du sehr eng mit einem Experten zusammenarbeiten. Falls die Verhaltensänderungen nicht ausreichen und Du starke psychische Auslöser hast, können antidepressiv wirkende Medikamente helfen. Es gibt mehrere Arten. Vielleicht musst Du ein bisschen rumprobieren, bis Du das zu Dir Passende gefunden hast. Bitte sprich dazu immer mit Deinem behandelnden Neurologen. Was kannst Du in akuten Phasen tun? Baue tagsüber kleine Pausen ein. Sorge für geistige Entspannung und verfalle nicht in ungesunde Verhaltensweisen. Zu viel aufputschende Getränke oder Süßigkeiten helfen Dir nicht weiter. Gib acht im Verkehr und nutze ganz bewusst die Phasen in denen Du munter bist für wichtige Aufgaben. Bitte um Hilfe, wenn Du sie brauchst. Die meisten Menschen helfen gern. Aber versuch auch dem Kern des Problems auf den Grund zu gehen, um wirksam dagegen anzugehen. Und wenn Schlafstörungen dauerhaft auftreten? Dann musst Du umso bewusster mit Deiner Zeit tagsüber umgehen. Wenn Du wirklich alles ausprobiert hast vom Schlaflabor über Verhaltensänderungen bis hin zu medikamentösen Optionen, musst Du Dich mit der neuen Situation arrangieren und das beste draus machen. Was ist die beste Prävention gegen Schlafstörungen? Bewegung an der frischen Luft. Eine gute Schlafhygiene. Gesunde Ernährung. Normalgewicht. Verzicht auf Nikotin. Eine stabile Psyche mit entsprechender Aufarbeitung von schwierigen Situationen. Liebe Menschen um Dich herum, die Dich glücklich machen. Wenig Alkohol. Ein gemütliches Bett. Und gegen alle durch die MS ausgelösten Symptome eine funktionierende verlaufsmodifizierende Therapie, damit die Erkrankung zum Stillstand kommt oder maximal verlangsamt wird. Denkanstoß Bei kleineren Schlafproblemen – lies abends ein Buch oder probiere die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen aus. Bei größeren Schlafproblemen – sprich bei Deinem Neurologen an, ob eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll wäre. Der Video-Podcast vom MS-Zentrum Dresden zum Thema Schlaf ist ein guter Ausgangspunkt. In 80 Minuten erhältst Du einen sehr guten und umfassenden Einblick, was alles im Schlaflabor analysiert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten Ärzte haben. Frage an Dich Leidest Du unter Schlafstörungen?   Bestmögliche Gesundheit wünscht Dir, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine Übersicht aller Podcastfolgen.  
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    #115 – Interview mit MS-Patientin Andrea von Yogacraft

    47:39

    Andrea alias Yogacraft ist selbstständig tätig als Coach und Yogalehrerin. Sie nutzt Yoga und ihr "Team of Trust" um ihren Weg zu gehen. Den vollständigen Beitrag findest Du hier: ms-perspektive.de/interview-mit-ms-patientin-andrea-von-yogacraft/ In Folge #115 vom MS-Perspektive Podcast spreche ich mit Andrea alias @yc_yogacraft über ihr Leben mit der Erkrankung. Andrea kennt die Multiple Sklerose bereits von ihrer Mama, die die Diagnose erhielt als Andrea noch ein kleines Kind war.  Andrea erhält viel Unterstützung durch ihre Familie, hat sich einige Jahre nach der Diagnose selbstständig gemacht im Bereich Coaching und als Yogalehrerin. Meist tritt die MS bei ihr in den Hintergrund, aber wenn sie einen Schub hat, dann nutzt sie Yoga und ihr „Team of Trust“, um ihren Weg heraus zu finden. Vorstellung Ich bin mittlerweile 40 Jahre alt, Tirolerin, die mit ihrem Sohn und Mann in Oberfranken wohnt. Die MS sehe ich wie eine Wegbegleiterin, die mir immer mal wieder mehr oder weniger deutliche Hinweise gibt, und mich da hingebracht hat, wo ich heute stehe. Als Yogalehrerin und Coach gebe ich leidenschaftlich das weiter, was mich immer wieder in meine Mitte bringt – und das nicht nur in Bezug auf die MS. Diagnose und aktueller Status Seit wann hast du die Diagnose und welches Symptom war der Anlass dafür? Die Diagnose habe ich schon 2006 bekommen. Damals waren Sensibilitätsstörungen und Taubheit in den Beinen der Anlass. Wie hast Du die Diagnose aufgefasst? Und wie war es für Deine Liebsten? Für mich war es kein Schock, da ich die Krankheit gut kannte. Ich bin damit groß geworden, da meine Mama die Diagnose erhalten hat als ich 6 war. Ich wusste von Anfang an, dass es die Krankheit der 1000 Gesichter ist und es nicht zwangsweise heisst, dass ich den gleichen Verlauf wie meine Mama habe. Ich hab es auch nicht ganz so ernst genommen. Eher mit dem Gedanken, dass ich einen „Ableger“ von Mama erwischt hab. Ich glaube es war für mein Umfeld schwieriger als für mich. Schönerweise haben mich alle bestens unterstützt – und tun es immer noch. Welche Behandlung wurde Dir zu Beginn der Diagnose empfohlen und bist Du der Empfehlung gefolgt und wie lässt du dich behandeln? Ich habe schon mehrere Therapien ausprobiert und bin hier immer sehr vorsichtig, was ich nach draußen gebe. Denn ich bin der Überzeugung, dass jede:r für sich selbst schauen darf, was sich stimmig anfühlt. Wichtig ist, dass man sich Experten an die Seite holt, bei denen man sich gut aufgehoben fühlt – ich spreche immer vom „Team of Trust“. Das habe ich schönerweise für mich gefunden und so wäge ich gemeinsam mit diesem Team immer die nächsten Schritte ab, weiß aber, dass die endgültige Entscheidung immer bei mir liegt. MS ist die Krankheit der 1.000 Gesichter, und so gibt es eben auch nicht nur die eine optimale Behandlungsform. Nutzt du Yoga als Selbsttherapie oder auch Angebote wie Physiotherapie, Reha oder ähnliches? Nach dem heftigen Schub 2014 habe ich über einen längeren Zeitraum Physiotherapie gemacht, bis alle Symptome wieder abgeklungen waren. Daraufhin habe ich auf der körperlichen Ebene jahrelang nichts gemacht – bis auf Yoga natürlich. Jetzt habe ich allerdings ganz frisch wieder mit Physio angefangen, nachdem ich gemerkt habe, dass mir der letzte Schub aus dem Sommer noch stärker in den Gliedern steckt, als ich es anfangs wahrhaben wollte. Hast du alte Symptome, die dich im Alltag begleiten. Falls ja, wie gehst du damit um? Ja, Sensibilitätsstörungen in den Beinen und Händen, leichtes Kribbeln und das Gleichgewicht ist manchmal auch nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Ich sehe es oft als Hinweis, dass ich wieder etwas weniger machen darf wenn die Symptome stärker werden. Mit dem erneuten Ansatz der Physiotherapie versuche ich ab sofort meinen Körper auch wieder bestmöglich zu unterstützen. Es gibt Tage, da nervt es mehr als an anderen. Allerdings versuche ich nicht in eine Abwehrhaltung zu gehen, sondern in die Akzeptanz. Auch das ist ein Teil von mir. Gibt es Unterschiede im Verlauf der MS deiner Mutter und deiner eigenen, aufgrund der vielen hinzu gewonnenen Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten? Das würde wahrscheinlich den Podcast sprengen, aber grundsätzlich sind unsere Verläufe überhaupt nicht miteinander zu vergleichen und werden auch komplett anders behandelt. Wen es interessiert: es gibt eine Folge in meinem eigenen Podcast, in der ich meine Mama zu Gast habe (Folge 62 vom YOGACRAFT-Podcast) Leben, Beruf und Hobbies Welche Rolle spielt die MS in deinem Leben und wie wirkt sie sich auf deine Familie, deinen Beruf und deine Freizeitgestaltung aus? Offen gesagt ist die MS zum Glück meist im Hintergrund, sofern ich nicht gerade einen aktuellen Schub habe. Ich kann zwar einige Sachen nicht mehr so machen (z.B. joggen gehen), aber zum Glück bin ich im Alltag kaum eingeschränkt. Ich definiere mich auch überhaupt nicht über die Krankheit und so spielt sie eine eher nebensächliche Rolle. Außer, dass ich es ihr „zu verdanken habe“, dass ich beruflich jetzt das mache, was ich mache. Denn ohne den heftigen Schub in 2014 hätte ich wohl nie den doch etwas krassen Switch von der Personalerin im Großkonzern hin zur Yogalehrerin und Coach gemacht. Welchen Themenfelder bietest du auf Yogacraft an? Was wahrscheinlich auf der Hand liegt: Yogakurse. Ich unterrichte klassisches Hatha – Yoga – und zwar sehr sanft. Meines Erachtens leisten wir im Alltag alle so viel (egal ob mit oder ohne MS) und da möchte ich das Leistungsdenken von der Yogamatte fernhalten. Ich habe keine Kurse rein für MSler, wobei einige in meinen Kursen unterwegs sind. Meine Kurse sind auch keine klassischen Yogakurse, sondern meist gespickt mit Coachingimpulsen, die den Teilnehmern helfen sollen wieder stärker mit sich und dem eigenen Körper in Verbindung zu kommen. Yoga tritt langsam auch mehr und mehr in den Hintergrund. Coaching ist wirklich meine große Leidenschaft. Ich habe hier 2018 noch eine professionelle Ausbildung gemacht und coache sowohl Privatpersonen als auch in kleineren Unternehmen. Hier kommt mir meine Erfahrung als Personalentwicklerin natürlich sehr zu Gute. Ich liebe es auch die beiden Elemente – Yoga und Coaching – zu verbinden und hab immer wieder verschiedene Workshopformate. Letztes Jahr gab es auch zum ersten Mal ein komplettes Wochenende in meiner Heimat Tirol, das ich mit meiner Freundin geleitet habe. Es war eine Kombination aus Yoga, Wandern und Coachingimpulsen. Bei allem, was ich tue geht es darum, die Menschen dabei zu unterstützen wieder oder noch stärker bei sich selbst anzukommen. Und das mach ich ganz nach dem Motto „Lehre, was du lernen willst“. Ich gebe einfach authentisch das weiter, was mir selbst immer gut getan hat und noch tut. Bist du zufrieden mit deiner beruflichen Ausrichtung oder hast du weitere Pläne? Ich liebe meinen Job und bin unglaublich dankbar dafür. Vor allem, wenn ich sehe, was es in den Menschen bewegt. Im kommenden Jahr möchte ich erstmal die Dinge, die ich in den vergangenen Jahren aufgebaut habe festigen: Einzelcoachings, das Gruppencoaching „Journey to Yourself“, die Auszeit am Berg in Tirol und diverse Business-Begleitungen für ansässige Firmen. Ich habe dieses Jahr Ausbildungen zum Thema Human Design gemacht und möchte dies nun auch stärker in meine Arbeit integrieren. Darüber hinaus erhalte ich schon erste Anfragen, ob ich nicht selbst ausbilden könnte … wer weiß wo die Reise noch hingeht. Ich würde auch super gern irgendwann ein Buch schreiben, allerdings glaube ich, dass da wirklich viel Arbeit dahinter steckt und davor habe ich größten Respekt. Tipps Was war dein tiefster Tiefpunkt mit der MS und wie hast du dich wieder empor gekämpft? Der Tiefpunkt war bestimmt der heftige Schub 2014 – wobei er rückblickend ja auch wegweisend für alles war, was danach entstehen durfte. Die Unterstützung meiner Familie sowie die intensive Yogapraxis (auf jeder Ebene – vor allem der geistig-emotionalen) waren meines Erachtens der Schlüssel damals. Und sind es auch immer noch wenn es mir schlecht geht. Grundsätzlich: ich mag das Wort „kämpfen“ nicht so gern. Klar, ist es manchmal einfach „Scheisse“. Aber ganz ehrlich: das Leben ist nicht nur rosarot. Ob mit oder ohne MS. Mittlerweile lass ich den Tiefpunkt erstmal da sein und schau dann, was im Rahmen meiner Möglichkeiten ist, um die Situation in Mini-Schritten wieder zu verbessern. Gern auch mit externer Unterstützung. Was machst Du wenn Du alte Symptome verspürst? Check-In bei mir selbst. Ich weiß für mich, dass Stress – egal ob positiv oder negativ – immer der krasseste Auslöser für Symptome ist bei mir. Deshalb gilt es dann für mich immer erstmal innehalten und schauen, was es denn ist, das mich stresst. Und dann versuchen Dinge anzupassen. Prios zu shiften und um Unterstützung fragen. Zukunft und Ziele Gibt es einen großen unerfüllten Wunsch? Reisen – ich möchte gern noch möglichst viel von der Welt sehen – am liebsten gemeinsam mit meinen Männern. Ist aber nicht ganz so leicht, weil man Mann gar nicht gerne reist. Da muss dann wohl doch der Junior her halten. Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der MS in den kommenden 5 Jahren? Natürlich nur das Beste … Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Mach eine Pause. Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? Weniger ist mehr. Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Mit unserem verstorbenen Freund und fragen wie’s denn da so ist, wo er jetzt ist.  Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose... “ …eine Wegweiserin. Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen? www.trotz-ms.de Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? Persönlichkeitsentwicklung: „Where is the love“ von Lars Amend / Von der Suche nach der wahren Liebe. Romane allgemein: „Die 7 Schwestern“ von Lucinda Riley/ 7 Adoptivschwestern, die nach dem Tod ihres Adoptivvaters Hinweise zu ihren Wurzeln bekommen und jedes Buch erzählt die Geschichte einer Schwester. Verabschiedung Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt der Diagnose? Kein Tipp. Ich würde ihr nur sagen wollen, dass sie darauf vertrauen darf, dass sich trotz oder vielleicht sogar durch die Diagnose noch ganz überraschend wunderbare Wege auftun werden. Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Egal ob Betroffene:r oder Angehörige:r: es ist nicht das Ende der Welt! Im Gegenteil. Manchmal sogar der Anfang von einem neuen Weg, der sich sonst so gar nie gezeigt hätte. Wichtig ist, dass man immer wieder bei sich selbst eincheckt und herausfindet, was sich als nächster Schritt für einen selbst stimmig anfühlt. Um das raus zu finden, darf man sich auch gern Unterstützung holen. Wo findet man dich im Internet? www.yogacraft.deInstagram: @yc_yogacraftYOGACRAFT-Podcast   Vielen Dank, liebe Andrea, für Deine Zeit und die gewährten Einblicke und ganz viel Erfolg in allen Bereiche – gesundheitlich, sowie mit deinen privaten und beruflichen Zielen! Bis bald und mach das beste aus Deinem Leben, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.
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    #114 - Kognitive Störungen bei MS – wenn der Geist streikt

    31:31

    Kognitive Störungen gehören zu den unsichtbaren Symptomen, die den Alltag erheblich erschweren können. Es gibt aber viele Behandlungsansätze. Hier geht's zum Blogbeitrag: ms-perspektive.de/kognitive-stoerungen-bei-ms/ In Folge #114 steht wieder ein MS-Symptom im Mittelpunkt, und zwar ein unsichtbares, die kognitiven Störungen. Mindestens 40 Prozent der MS-Betroffenen leiden darunter, die Zahl könnte aber deutlich höher sein, da es noch keine standardisierten Tests gibt, die regelmäßig bei allen durchgeführt werden. In den letzten Jahren wird den unsichtbaren Symptomen aber immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet, da sie auch als Frühindikatoren für später auftretende körperliche Beeinträchtigungen interessant sind. Außerdem soll die Multiple Sklerose heutzutage möglichst komplett zum Stillstand gebracht werden und dafür ist es wichtig, alle Verschlechterungen festzustellen, um bei Bedarf Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Wie zeigen sich kognitive Störungen? Du merkst es, wenn Du einem längeren Gespräch nicht mehr richtig folgen kannst oder einer Erklärung. Und damit sind nicht komplizierte Vorträge oder ausufernde Reden gemeint. Wenn Du einen Text immer wieder lesen musst. Auch hier geht es nicht um die Schachtelsätze von Hermann Hesse, die wohl für die meisten Menschen schwer zu erfassen sind. Nein, es geht um ein überdurchschnittlich schlechtes Auffassungsvermögen und eine stark reduzierte Merkfähigkeit. Dein Gegenüber muss Dir zum dritten Mal etwas erklären. Du hörst zu, so gut es geht. Du willst es verstehen, aber entweder gelingt es Dir von vornherein nicht oder die Information wird nicht dauerhaft gespeichert. Das ist frustrierend. Kognitive Störungen können für Dich auch bedeuten, dass Du versuchst, etwas zu planen und danach handelst, es Dir aber oft misslingt. Das kann im privaten Bereich sein, wenn es darum geht ein Essen zu kochen oder um Arbeitsabläufe. Vielleicht kennst Du auch Wortfindungsstörungen. Jeder hat das ab und an. Aber wenn es zu einem häufigen Problem wird oder Du gar die Bedeutung von Worten nicht mehr wirklich weißt, dann kann die MS schuld daran sein. Oft wird das Denken auch starrer. Das Einnehmen einer anderen Perspektive oder die Offenheit für Argumente oder neue Erkenntnisse, die auf einmal die Sachlage komplett verändern. All die genannten Probleme kennen Menschen ohne Multiple Sklerose ebenfalls. Aber meist gibt es dann einen Grund, wie starke Müdigkeit, erhöhter Alkoholkonsum, andere Rauschmittel, Desinteresse am Thema, (Kopf-) Schmerzen oder andere ablenkende Faktoren. Bei Menschen mit Multipler Sklerose können die kognitiven Störungen indessen ein Teil des Krankheitsbildes sein. Entweder sind Läsionen im zentralen Nervensystem direkt dafür verantwortlich oder eine starke Fatigue. Und wenn die MS ungehindert voranschreiten kann, ohne das Du Gegenmaßnahmen ergreifst, führt sie zu einer schnelleren Verringerung des Gehirnvolumens. Das hat dann natürlich auch Auswirkungen. Viele Menschen mit MS scheiden eher aus dem Berufsleben aus oder müssen Ihre Stunden reduzieren wegen kognitiver Einschränkungen. Doch die gute Nachricht ist, es gibt verschiedene Behandlungsansätze, was Du dagegen unternehmen kannst. Zusammenfassung der Arten von kognitiven Störungen Kognitive Störungen können Deine Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen beeinflussen. Dazu zählen: das Gedächtnis mit Kurz- und Langzeitgedächtnis die Aufmerksamkeit und Konzentration – beim zuhören, lesen, sprechen die geistige Flexibilität die Informationserfassung und -Verarbeitung die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten / zu bearbeiten (Multiple Tasking) die Planungsfähigkeit und Durchführung Oder Du hast Wortfindungsschwierigkeiten und vergisst sogar die Bedeutung dir einst bekannter Worte und verlierst dadurch den Zusammenhang und das Verständnis für einen Sachverhalt, ein erläutertes Thema. Wie werden kognitive Störungen behandelt? Sprich Deinen Neurologen darauf an, wenn Du das Gefühl hast, dass die Multiple Sklerose Deine kognitiven Fähigkeiten beeinflusst. Mithilfe einer umfassenden neuropsychologischen Untersuchung kann er eine genaue Diagnose stellen, die am Beginn einer jeden Behandlung stehen sollte. Dadurch wird auch Dein genaues Problem definiert, also welche geistigen Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Denn falls zum Beispiel die Fatigue hauptsächlich für Deine Probleme verantwortlich ist, muss eine andere Behandlung eingeleitet werden als bei einer Depression als Verursacher. Aber das sind nur zwei mögliche Auslöser oder Verstärker. Übrigens lohnt es sich, bei einer chronischen Fatigue den Schlaf analysieren zu lassen. Oft ist die Schlafqualität schlecht und es gibt viele Möglichkeiten sie wieder zu optimieren und normalisieren. Generell gilt, dass Du möglichst aktiv am Leben teilnehmen solltest, um Deinen Geist zu trainieren. Aber plane regelmäßige Pausen ein, in denen Du entspannen kannst. Denn mit der richtigen Balance aus Fordern und Erholen und gezieltem Training können scheinbar verlorene Fähigkeiten wieder reaktiviert und verbessert werden. So kannst Du zum Beispiel aufmerksamer werden und Deine Wahrnehmung schulen. Falls das Training nicht den gewünschten Effekt erzielt, gilt es die verlorenen Fähigkeiten zu kompensieren. Hierbei erlernst Du neue Verhaltensweisen, um Dir Deine Zeit besser einzuteilen, inklusive nötiger Pausen, Dich selbst zu organisieren oder Dein Gedächtnis zu trainieren. Im Arbeitsleben kann es nötig sein, dass Du Deine Kollegen und Vorgesetzten davon unterrichtest, was nicht mehr möglich ist. Hierbei ist es natürlich immer gut, wenn Du Deine aktuellen Möglichkeiten aufzeigst und klar machst, dass es nicht böse Absicht sonders quasi höhere Gewalt ist. Vielleicht kannst Du Deinen Aufgaben mit einem veränderten Ansatz weiterhin ausführen, sei es Reihenfolge, mehr Pausen oder Einsatz von Hilfsmitteln. Lass Dich hier ruhig beraten von Deinem behandelnden Arzt, Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten. Welche alternativen Methoden, Hilfsmittel und Medikamente gibt es? Entspannungstechniken können ein Baustein sein, der Dir dabei hilft Deine Lebensqualität zurückzugewinnen. Denn je mehr Du Dich unter Stress setzt, weil etwas nicht mehr so klappt wie früher, desto mehr befeuerst Du das Problem. Versuche lieber so gelassen, wie möglich damit umzugehen, und sei Dir und Deinem Körper und Geist nicht böse. Meditation, Yoga, autogenes Training oder Tai Chi sind einige Möglichkeiten, aber es gibt noch viele mehr. Zeitmanagement ist eine Fähigkeit, die Dir helfen kann besser im Alltag zurechtzukommen. Dabei lernst Du Störfaktoren zu beseitigen und Aufgaben zu bündeln, um sie effizienter abarbeiten zu können und nicht ständig gedanklich hin und her zu springen. Eine bessere Planung nimmt Stress aus dem Alltagsleben, sei es im privaten oder beruflichen Bereich. Der Essensplan für die Woche mit passender Einkaufsliste für den Supermarkt. Die Packliste für den Urlaub. Wenn Du anstrengende Aufgaben zu Beginn einer aktiven Einheit erledigst, kannst Du Routineaufgaben im Anschluss bearbeiten, wenn Du etwas erschöpft bist. Es gibt wirklich jede Menge Verhaltensweisen, die Dir trotz kognitiver Einschränkungen ein funktionierendes und angenehmes Leben ermöglichen. Leider gibt es aktuell keine Medikamente, die in wissenschaftlichen Studien nachweislich positive Effekte erzielt haben. Sollten Deine Einschränkungen jedoch vom schlechten Schlaf herrühren, stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Sprich Deinen behandelnden Neurologen darauf an. Was kannst Du in akuten Phasen tun? Bleib ruhig, auch wenn es Dir manchmal vielleicht schwerfällt. Vermeide es, wichtige Entscheidungen zu treffen oder komplexe Aufgaben zu bearbeiten, bei denen Fehler von Dir langfristige negative Auswirkungen für Dich haben könnten. Damit meine ich zum Beispiel das Neuordnen Deiner Finanzen inklusive Entscheidungen etwas aufzulösen, neu abzuschließen, etc. Wenn Deine Konzentration stark beeinträchtigt ist, nimm bitte nicht als FahrerIn am Verkehr teil und sei auch als FußgängerIn vorsichtig. Falls Meditation etwas für Dich ist, praktiziere es regelmäßig. Es kann gewiss einen positiven Beitrag leisten, dass es Dir psychisch und geistig bald wieder besser geht. Sprich Deinen Neurologen oder Deine MS-Schwester an. Sie können am besten einschätzen, ob weitergehenden Maßnahmen sinnvoll sind. Und wenn kognitive Störungen dauerhaft den Alltag belasten? Dann ist es umso wichtiger, dass Du lernst, mit dem neuen Ist-Zustand umzugehen. Erlerne Techniken, um ausgefallene Fähigkeiten zu kompensieren. Nutze Hilfsmittel, wie digitale Erinnerungen. Und trainiere weiterhin regelmäßig Deinen Geist, um dieses Level zu halten. Das kannst Du übrigens ganz nebenbei tun, indem Du ein kreatives Hobby erlernst oder fortführst, vom Nähen über Malen und Zeichnen, basteln, tischlern, fotografieren und vieles mehr. Wichtig ist, dass Du Spaß daran hast und immer wieder Neuland erkundest, sei es durch ein neues Schnittmuster, eine neue Maltechnik, einem bestimmten Stil. Solange Du eine kleine Varianz einbringst und nicht immer wieder das gleiche blaue T-Shirt in Größe S nähst mit dem gleichen Faden auf der gleichen Nähmaschine, wird Dein Gehirn stimuliert. Das erlernen eine Sprache, Musik und Tanz oder Kochen, eine neue Sportart, programmieren, kreatives Schreiben oder Gärtnern zählen ebenso zu den anregenden Tätigkeiten. Du kannst natürlich auch ganz bewusst Deine kognitiven Fähigkeiten trainieren. Es gibt mittlerweile verschiedene Apps. Für mehr Impulse hör doch mal in den Podcast zum Thema Gehirnjogging rein. Lebenslanges Lernen ist für jeden gut, aber für Menschen mit MS ganz besonders. Was ist die beste Prävention gegen kognitive Störungen? Neurotoxische Stoffe zu vermeiden. An oberster Stelle steht das Rauchen. Multiple Sklerose ist wirklich ein guter Grund, um damit aufzuhören. Such Dir Hilfe, die gibt es bei jeder Krankenkasse in Form zahlreicher Bücher und anderer Medienformate oder auch unter rauchfrei-info.de. Alkohol schädigt das Gehirn ebenfalls, bei stetigem Gebrauch und erst recht in höheren Mengen oder in hochprozentiger Form. Ich trinke seit meiner Diagnose im Sommer 2004 fast gar keinen Alkohol mehr und mein Gehirnvolumen ist altersgerecht. Nach einer Anfangsphase der Umstellung kann man damit gut leben und falls jemand in Deinem Bekanntenkreis nicht umgehen kann, ist es nicht Dein Problem, sondern das vom Gegenüber. Andere Rauschmittel sind selbstredend ebenfalls zu meiden. Und falls Du eine strikte Ernährungsform betreibst, wie zum Beispiel vegan, dann achte bitte darauf, dass Du Dir alle benötigten Nährstoffe in ausreichenden Mengen zuführst und notfalls Nahrungsergänzungsmittel einnimmst. Und wie immer gilt, eine funktionierende verlaufsmodifizierende Therapie gemeinsam mit einem gesunden Lebenswandel und einer ausgeglichenen Psyche ist die beste Vorbeugung. Denkanstoß Regelmäßiges Training Deines Geistes, wenn möglich täglich oder zumindest mehrfach die Woche hilft Dir am besten. Denn Dein Gehirn verhält sich wie ein Muskel – mehr Training stärkt ihn und ohne Training wird es immer schwächer. Und wie beim körperlichen Training gilt es Pausen einzuplanen und natürlich ausreichend zu trinken. Nüsse und Hülsenfrüchte kannst Du ruhig öfter essen und warum nicht Dein Gehirn trainieren, indem Du verschiedenste Rezepte ausprobierst, die Dein Gehirn mit Nährstoffen füttern und die grauen Zellen zum Nachdenken anregen. Besser geht es doch eigentlich kaum, oder? Lecker und gesund. Frage an Dich Bist oder warst Du bereits von kognitiven Störungen betroffen? Und wie gehst Du damit um? --- Bestmögliche Gesundheit wünscht Dir, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter.
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    #113 – Interview mit MS-Patientin Tanja alias @taniiijahhh

    31:43

    Zum Blogbeitrag: https://interview-mit-ms-patientin-tanja-alias-taniiijahhh In Folge #113 vom MS-Perspektive Podcast interviewe ich Tanja Cordewener alias @taniiijahhh. Wir kennen uns von Instagram, wo mir Tanja aufgefallen, weil sie ein sehr ambitioniertes Sportprogramm durchhält. Wir sprechen über Ihr Leben mit Multipler Sklerose und wie sie die Diagnose dazu motiviert hat für Marathons zu trainieren. An drei Marathons hat sie bereits erfolgreich teilgenommen und noch einige weitere auf der Liste. Vorstellung Hi, mein Name ist Tanja. Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet, habe eine Tochter und wohne in Aachen. Diagnose und aktueller Status Seit wann hast du die Diagnose? Die MS wurde im April 2016 bei mir diagnostiziert. Wie geht es dir aktuell mit der MS? Zur Zeit darf ich mich nicht beschweren, da mich die MS an sich im Großen und Ganzen in Ruhe lässt. Aufgrund der MS kämpfe ich immer wieder mit Depressionen – Dies ist natürlich sehr belastend. Nimmst du eine verlaufsmodifizierende Therapie bzw. hast du bereits mehrere ausprobiert? Nein, „Schulmedizinische“ Medikamente habe ich nie ausprobiert. Ich nehme hochdosiertes Vitamin D und noch eine ganze Reihe weiterer Nahrungsergänzungsmittel. Solange meine MS stabil bleibt, ist dies mein Weg. Sollte sich der Verlauf verändern, würde ich natürlich gemeinsam mit meinem Neurologen neu entscheiden.   Wie hat sich Deine Einstellung in Bezug auf Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit geändert? Ich glaube, dass ich seit der Diagnose viel dankbarer bin für das, was gerade ist. Denn mir ist bewusst geworden, dass selbst die einfachsten Dinge nicht selbstverständlich sind. Außerdem Versuche ich mehr im Hier und Jetzt zu Sein und den Augenblick wahrzunehmen und zu genießen. Leben, Beruf und Hobbies Wie sah deine Lebensplanung vor der Diagnose aus? Und hat sich deine Einstellung in Bezug auf Beruf, Familie und Freizeit seit der Diagnose verändert? Vor allem im Bezug auf Beruf hat sich meine Einstellung sehr verändert. Vor der Diagnose war ich im Justizvollzug tätig. Ich habe meinen Beruf gerne ausgeführt und da ich verbeamtet war, war der Plan natürlich dort bis zur Rente zu arbeiten. 2019 wurde ich in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Das hat mir damals den Boden unter den Füßen weg gezogen. Aber mittlerweile bin ich dafür sehr dankbar. Ich habe nun die Zeit, mich um meine Familie und um mich zu kümmern. Damals fehlte mir dafür oft die Kraft. Wann hast du begonnen intensiv Sport zu treiben? Ich habe eigentlich schon immer viel Sport gemacht. Aber erst seit der Diagnose ist es so regelmäßig und intensiv geworden. Für mich gehört Sport zu meiner Therapie und ich rede mir ein, dass der Sport mir dabei Hilft, die MS ruhig zu halten.  Wie stark achtest du auf deine Ernährung und was ist dir daran besonders wichtig? Ich versuche mich ausgewogen zu ernähren. Ich baue viel Obst und Gemüse in meinen täglichen Essensplan ein. Aber es gibt auch ungesunde Lebensmittel auf dem Speiseplan. Für mich ist es besonders wichtig, mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Ich bin ein emotionaler Esser und ich neige dazu Dinge im extrem auszuleben und es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich mit Essen gestruggelt habe. Ich glaube, dass der Stress den ich mir oft gemacht habe, insgesamt schädlicher für den Verlauf der MS ist als ab und an ungesunde Lebensmittel zu essen. Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus? Momentan trainiere ich nach Lust und Laune und ich befolge keinen gezielten Trainingsplan. Trotzdem versuche ich mindestens 5 x in der Woche aktiv zu sein. Ich gehe laufen, wandern, ins Fitnessstudio, bouldern oder ich setzte mich auf mein Spinningbike. Du hast außerdem die Trainer B Lizenz. Wie erlangt man eine solche Lizenz und nutzt du sie im Alltag eher im Beruf oder zum erreichen deiner eigenen Ziele? Ich habe die Lizenz über eine online Akademie erworben. Es sollen noch weitere Qualifikationen folgen. In erster Line habe ich die Lizenz für mich gemacht da ich sehr an der Thematik interessiert bin. Ich kann mir aber auch vorstellen irgendwann in einem Fitnessstudio zu arbeiten.  Du bist bereits bei drei Marathons ins Ziel gelaufen. Wie war das und an welchen willst du noch teilnehmen? Die Idee Marathon ist für mich erst nach der Diagnose gewachsen. Als ich dann bei meinem ersten Marathon ins Ziel gelaufen bin, war ich natürlich unfassbar glücklich und stolz. Nächstes Jahr soll es zuerst der Hamburg Marathon werden und Ende des Jahres endlich der New York Marathon.  Tipps Was war dein tiefster Tiefpunkt mit der MS und wie hast du dich wieder empor gekämpft? Mein bisheriger Tiefpunkt war Anfang des Jahres, als es mir psychisch sehr schlecht ging. Mir hat es geholfen, dass ich offen mit meiner Frau reden konnte und sie mich immer unterstützt hat. So habe ich die Kraft gefunden mir zu meiner ambulanten Therapie weitere professionelle Hilfe zu suchen. Und so bin ich im Mai diesen Jahres für 10 Wochen stationär in einem psychiatrischen Krankenhaus aufgenommen worden. Das war eine sehr harte und intensive Zeit, aber nun geht es mir deutlich besser und ich glaube das ich auch für kommende schwierige Situation besser gewappnet bin.  Was machst Du wenn Du alte Symptome verspürst? Ich neige zum somatisieren und gerade nach der Diagnose habe ich jedes „ziepen“ an meinem Körper überbewertete. Mittlerweile versuche ich erst mal relaxt zu bleiben und abzuwarten, ob die Symptome länger als 24h bleiben. Erst dann würde ich zum Neurologen gehen und das weitere Vorgehen mit ihm besprechen. Zukunft und Ziele Gibt es einen großen unerfüllten Wunsch? Ich wünsche mir im Laufe der kommenden Jahre alle Major Marathons zu laufen. Dies ist neben der körperlichen auch eine finanzielle Herausforderung aber ansonsten bin ich zufrieden wie es ist.  Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der MS in den kommenden 5 Jahren? Ich würde mir wünschen, dass man die MS versteht, woher sie kommt und warum sie bei jedem anders verläuft. Damit man dann für jeden individuell eine Therapieform findet die auch hilft. Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Ich finde allgemeine Ratschläge oft unangebracht bzw. zu allgemein. Im menschlichen miteinander ist es viel wertschätzender, echte Empathie und Zeit geschenkt zu bekommen.  Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? – Gedanken erschaffen Realität –  Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Gibt es momentan keine Person.  Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose... “ …eine Chance Erfahrungen im Leben zu machen, für die ich sehr dankbar bin und die ich ohne die MS niemals bekommen hätte. Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen? Ich kann leider keine Seite empfehlen. Die MS spielt keine so große Rolle in meinem täglichen Leben und sie bekommt nicht so viel Raum. Die MS Community auf Instagram ist ja sehr groß und der Austausch dort reicht mir aus.  Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? Ich kann das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky empfehlen. In dem Buch geht es um den Sinn des Lebens.  Verabschiedung Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt der Diagnose? „Keine Angst, du findest deinen Weg!“ Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Keiner von uns muss seinen Weg alleine gehen! Es gibt immer Möglichkeiten Hilfe zu bekommen und jeder von uns ist es Wert, diese Hilfe zu erhalten. Wenn ihr Fragen habt könnt ihr mich gerne über Instagram direkt anschreiben. Wo findet man dich im Internet? Regelmäßig pflege ich nur Instagram – @taniiijahhh   Vielen Dank, liebe Tanja, für das geführte Interview und weiter viel Erfolg mit Deinen sportlichen Zielen! Anmerkung: Die aktuelle wissenschaftliche Empfehlung lautet, dass man als wichtigsten Grundpfeiler ein verlaufsmodifizierendes Medikament nimmt, um die MS bestmöglich auszubremsen. Kombiniert werden sollte das mit einem gesunden Lebensstil, wie von Tanja praktiziert. Bis bald und mach das beste aus deinem Leben, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.
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    Spezial: Kolumne 83 von Matthias Horx – Gute Nachrichten für nebelige Tage

    19:05

    Aufgrund der angespannten Corona-Lage gibt es wieder einen neuen Beitrag von Matthias Horx, dessen Blick in die Zukunft und auf all das Erreichte, unabhängig von Corona, ich immer sehr wohltuend finde. Dennoch meine große Bitte. Lass Dich Impfen. Hol Dir die Auffrischung. Und halt nochmal durch, auch wenn erneute Einschränkungen nicht schön sind. Gesellschaft vor Individualismus. Wissenschaftlich fundierte Fakten vor Meinungen und Gefühlen. Der nachfolgende Text stammt aus der Zukunfts-Kolumne von Matthias Horx: www.horx.com/die-zukunfts-kolumne Siehe auch: www.zukunftsinstitut.de. Eine kleine Zukunfts-Meditation © Julian Horx, www.julian-horx.com Nun ist es wieder passiert. Zu grauen und nebeligen Tagen hebt wieder der große Angst- und Schreckens-Gesang an, diesmal mehr mit Wut vermischt. Viele Menschen fallen wieder in einen Taumel von Angst und Verwirrung. von Vorwurf und Verzweiflung. Wir kehren in die Spirale des destruktiven Streits zurück. Destruktiver Streit, wie wir ihn heute wieder über Corona pflegen, zeichnet sich dadurch aus, dass man in innerhalb des Streites nicht mehr weiterkommt. Man tappt sozusagen im Nebel. Destruktiver Streit basiert auf dem Prinzip des Gegenruhms: Eine endlose Mühle von Meinungen und Schuldzuweisungen, die in sich selbst festgefahren sind und sich gegenseitig hochschaukeln. Staatsversagen! Die Politik ist schuld! Freiheitsberaubung! Ich dreh gleich durch! Alles Idioten! Meinungskriege sind in ihrem Wesen narzisstisch, weil sie nicht dem Finden eines Weges dienen, sondern dem Inszenieren der eigenen Konstrukte. Destruktiven Streit erkennt man daran, dass er nur Erregungen, keine Reflexion zulässt. Re-flexion heißt ja, dass man miteinander Aspekte der Wirklichkeit »re-flektiert«. Also sich gegenseitig auf dem Weg in eine gemeinsame Wirklichkeit begleitet. So haben es, wie es aussieht, die Neo-Koalitionäre in Deutschland gemacht. Es geht also, auch bei hochkomplexen Dingen! „Reflektieren erfordert eine unterstützende, sanfte Einstimmung auf das Selbst statt einer urteilenden Haltung, die verhört und abwertet. Reflexion ist ein mitfühlender Geisteszustand.” So formulierte es der Transformationspsychologe Daniel J. Siegel in seinem Buch „Mindsight” (Goldmann-Verlag, S. 71). Aber was tun man, wenn man mit einem aussichtslosen fraktalen Meinungskrieg konfrontiert ist? Dann ist es ratsam, sich bewusst zu entziehen. Sonst wird man unweigerlich hineingezogen in die Mühle der Erregungen. Und steckt plötzlich in einem Shitstorm, den man selbst mit angerührt hat. „Manche Probleme sind so komplex, dass man hochintelligent und gut informiert sein muss, um bei ihnen unentschieden zu sein.” Das stammt von Laurence J. Peter, dem Erfinder des Peter-Prinzips. Neben Heiterkeit und Liebe wäre ein mögliches Mittel, aus dem Nebel herauszukommen, die Erweiterung unseres Wahrnehmungs-Horizontes. Ein Blick über die Dächer. Machen wir also ein kleines Experiment. Hier einige Meldungen aus der »weiten Welt«, die Sie wahrscheinlich noch nicht gelesen oder wahr-genommen haben: Die größte und erfolgreichste Impfkampagne der Menschheitsgeschichte geht in die nächste Runde. Indien meldet die Verabreichung von einer Milliarde Covid-Vakzin-Dosen, China führt diese Liste mit zwei Milliarden an, während Brasilien 258 Millionen Dosen verabreichte und Indonesien 172 Mio. Global wurde bis Ende dieses Jahres knapp die Hälfte der Menschheit gegen Covid geimpft, und es geht schnell weiter… Quartz Ein Rollout eines neuen Polio-Vakzins in sechs afrikanischen Ländern hat dazu geführt, dass 80 Millionen Kinder nun geschützt gegen Kinderlähmung sind. Mit verringerten Seiteneffekten war das Mittel das Erste, dass von der WHO für Noteinsätze freigegeben wurde und dadurch gegen Ausbrüche schneller schützen konnte. The New Vaccine WHO Ruanda konnte seine jährliche Zahl von Malariafällen von 4,8 Millionen im Jahr 2016 auf 1,8 Millionen in 2020 reduzieren, schwere Fälle mit Todesfolge reduzierten sich um 70 Prozent. Die Regierung erprobt nun Drohnen, die Anti-Moskito-Präparate versprühen. Blasting mosquitoes with drones RBC Einer der größten Killer in hochentwickelten Ländern ist der Schlaganfall – zweithäufigste Todesursache weltweit. Ein neuer Report in The Lancet zeigt, dass weitgehend unbeachtet die Opferzahlen deutlich reduziert werden konnten – weltweit. Zwischen 1990 und 2019 ging die standardisierte Anzahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück, und die Todesfälle um 36 Prozent. The Lancet © The Lancet Die Anzahl der weltweiten Kriegsopfer sank im Jahr 2020, das zweite Jahr in Folge. Die Gesamtzahl der in bewaffneten Konflikten gestorbenen betrug 120.000, das sind 30 Prozent weniger als 2018. Die Rückgänge gingen vor allem auf Veränderungen in Asien, Ozeanien und dem mittleren Osten zurück. SIPRI Eine immer größere Anzahl von Menschen in den wohlhabenden Ländern glaubt, dass Diversität gut für die Gesellschaft ist. In den USA, Kanada, UK, Australien, Neuseeland und Taiwan steigt die Akzeptanz für kulturelle und ethnische Unterschiedlichkeit, sogar in kulturell homogenen Ländern wie Japan und Griechenland. Pew © Pew Research Center Bereits vor dem Start von COP26 konnten Aktivisten gegen den Klimawandel eine gewaltige Welle von DECARBONISIERUNGS-INVESTMENTS verkünden – 40 Billionen Dollar in großen Portfolios und Pensionsfonds haben eine Abkehr von Öl- Kohle und Gas-Investitionen vollzogen. Das ist mehr als das BSP von USA und China zusammen. NYT Ein bemerkenswerter Teil des Globalen Zement-Sektors hat sich zu einer deutlichen Verringerung von Emissionen bekannt. Ein Viertel bis 2030, Karbon-Neutralität im Jahr 2050. Global Cement and Concrete Association Die Regierung von Chile hat das Verbot der meisten Verbrennungsmotoren von 2035 an angekündigt. Unter der neuen Elektrik-Transport-Strategie werden alle Fahrzeuge, Züge, auch schwere Lastwagen Zero-Emission sein müssen. We Go Electric Malawi hat die Wilderei und den Tierhandel drastisch reduzieren können – dank strengerer Gesetze. 90 Prozent aller verurteilten Wilderer brachte 4 Jahre oder mehr im Gefängnis zu. Seitdem gibt es keinen Fall von Elfenbeinhandel oder Rhino-Horn mehr, auch der Schmuggel seltener Wildtiere nach China konnte weitgehend abgestellt werden. NYT Im Ostpazifik wird ein 500.000 Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet entstehen, das auch die Galapagos-Inseln umfasst. Die Präsidenten von Ecuador, Kolumbien, Costa Rica und Panama verkündeten in der letzten Woche den Vertrag. Das Gebiet soll mehrere bestehende Schutzzonen miteinander verbinden und wäre damit so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Innerhalb der geschützten Flächen soll es zukünftig unter anderem verboten sein, Fische zu fangen. The Guardian © The Guardian Die Population des östlichen Flachlandgorillas hat sich verdoppelt, von 3800 auf 6800. Das ist die gute Nachricht aus dem Oku Community Conservation Center im Kongo. Die Fortschritte konnten durch konsequente Habitat-Konservation mit lokalem Community-Engagement erzielt werden. Mongabay New Yorks Stadtregierung verabschiedete einen Plan, alle 885 Diesel-Busse der Stadt in vollelektrische Modelle zu konvertieren. Gleichzeitig wurde ein Zero-Emission Gesetz vor alle Passagierautos und leichten Transportfahrzeuge ab 2035 verabschiedet. We Go Electric 100 der weltgrößten Konzerne werden ab 2022 eine Minimalsteuer von 15 Prozent auf Gewinne zahlen. 136 Länder haben das neue Abkommen unterzeichnet, das mindestens 150 Milliarden mehr für die Bürger anstatt für die Konzernprofite abzweigen wird. Politico Globale Energiespeicherung wächst so schnell und in solchen Dimensionen, dass das Argument, erneuerbare Energien wären „zu unregelmäßig”, bald hinfällig sein wird. 12,4 Gigawatt Batteriespeicher werden im Jahr 2021 installiert, gegenüber 4,2 im Jahr 2020 (und 1 GW 2016). Für die nächsten Jahre werden exponentielle Entwicklungen auch mit neuen, chemischen und mechanischen Speichertechniken erwartet. Inside Climate News China hat mit der Konstruktion des größten weltweiten Erneuerbare-Energien-Projektes begonnen. 100 Gigawatt Wind und Solar-Kapazität werden in der Wüste installiert, was mehr als viermal so viel Energie wie der Dreischluchtendamm produzieren wird. Bloomberg Das Kolonialzeitalter geht endgültig zu Ende: Anfang November wurden Lebensgroße, aus Tropenholz geschnitzte Königsstatuen, handgewebte Teppiche, kleine Glockenspiele aus Metall, insgesamt 26 Kunstwerke aus Paris zurück nach Benin gebracht. Die Werke wurden dort vor 130 Jahren von der französischen Kolonialarmee gestohlen. Mit der Rückgabe der Stücke begann Präsident Emmanuel Macron, sein 2017 gegebenes Versprechen einzulösen, geraubte Kunstwerke aus den früheren französischen Kolonien in ihre Herkunftsländer zurückzubringen. In Irland startet ein Grundeinkommen-Versuch für Künstler:innen und andere Kulturschaffende. Die waren seit Beginn der Pandemie besonders stark von finanziellen Einbußen betroffen. In der geplanten Testphase erhalten 2.000 Kunstschaffende 3 Jahre lang jede Woche 325 Euro. Ab März 2022, spätestens ab April solle das Pilotprojekt starten, verkündete Kulturministerin Catherine Martin. 25 Millionen Euro stellt der irische Staat für das Vorhaben zur Verfügung. Die Bevölkerungs-Explosion, die zum festen Narrativ unserer Zukunftsängste zählt findet nicht statt. Die Menschheit wird zwischen 9 und 11 Milliarden Menschen – Tendenz zu 10 Milliarden, ihren „Peak-People” zwischen 2060 und 2080 erreichen. Die Geburtenraten sinken weiter, auch in den Armutsländern, und die Bevölkerungszahl Chinas ist bereits derzeit auf dem TIPPING POINT. In dreißig Jahren könnte es 200 Millionen weniger Chinesen geben. ZEIT ONLINE Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Meldungen lesen? Sie könnten sagen: Was gehen mich Impfungen in Ruanda an? Oder: Wo stammen die Zahlen eigentlich her? Ist das nicht geschönt? Ist doch viel zu wenig! Wie soll denn das die Welt retten? Nein, es geht hier nicht darum, „ein bisschen Optimismus” zu erzeugen. Es geht nicht um Stimmungen oder Meinungen. Es geht auch nicht darum, ob es »genug« ist, damit wir Hoffnung haben »dürfen«. Es geht um die Art und Weise, wie wir Realität und Wirklichkeit, also die Zukunft, konstruieren. Wir schließen das, was wir für »die Welt« halten, immer in einem engen Tunnel ein. In diesem Tunnel selektieren wir meistens die negativen Signale, weil unser Hirn durch Jahrmillionen der Evolution dazu geprägt ist, das Gefahrvolle überzubetonen. Das hypermediale System, in dem wir leben, befördert diese Tunnelsicht. Auf diese Weise verengen wir uns in der Angst. Aus diesem negativen Narzissmus heraus entsteht leicht eine Paranoia – typisches Anzeichen dafür sind Verschwörungs-Narrative. Eine besondere Nörgel-Neigung, die zur Bösartigkeit tendiert. Ein Misstrauen, das auf Selbstverwerfung basiert. (Die Meldungen stammen übrigen überwiegend von Plattformen, die sich dem Konstruktiven Journalismus verschrieben haben. Der Medienwissenschafter Bernhard Pörksen nennt das den „Planetarischen Journalismus”.) © Julian Horx, www.julian-horx.com Komplexe Probleme sind nicht auf der Ebene ihres Entstehens lösbar. Sondern nur dadurch, dass wir neu über sie denken lernen. Paul Watzlawick, einer der Begründer des Konstruktivismus, nennt das „die Sanfte Kunst des Umdenkens”. „Die eigentliche Ursache des Leids”, schreibt Watzlawick in seinem Weltbestseller „Anleitung zum Unglücklichsein”, „liegt in unserer Unwilligkeit, Tatsachen als reelle Tatsachen und Ideen als bloße Ideen zu sehen, und dadurch, dass wir ununterbrochen Tatsachen mit Konzepten vermischen. Wir tendieren dazu, Ideen für Tatsachen zu halten, was Chaos in der Welt schafft.” Die 87jährige Naturforscherin und Schimpansen-Expertin Jane Goodall hat gerade ein wunderbares Buch veröffentlicht, in dem Sie ihre Erfahrungen mit ihrem lebenslangen Kampf gegen den Artenschwund und den Tierschutz beschreibt. In Das Buch der Hoffnung erörtert sie vier Gründe, weshalb sie an die Zukunft der Menschheit glaubt: Den erstaunlichen menschlichen Intellekt. Die Resilienz der Natur. Die Kraft junger Menschen. Den unbezähmbaren „Human Spirit”. Wenn wir den Glauben an die Zukunft verlieren, verlieren wir die Wirklichkeit. Wenn wir in die Wirklichkeit nur im verengten Blickwinkel unserer Angst wahrnehmen, verlieren wir uns selbst. Hier noch eine kleine Zusatzübung: Machen Sie den neuen GAPMINDER-Global-Wirklichkeitstest von Ola Rosling, einem guten Freund des Zukunftsinstituts, der sich auf die neuesten Daten und die „Global Goals” der UNO bezieht. Probieren Sie es. Es lohnt sich. Sie werden merken, wie sich auch ihre Haltung zum »Corona-Problem« verändert. P.S. Auch diese Corona-Welle wird vorbeigehen. Wir werden dann viel gelernt haben. Über uns selbst. Die Gesellschaft. Und das Leben. Ein großes Dankeschön an Matthias Horx für den tollen Beitrag und die freundliche Erlaubnis ihn teilen zu dürfen! In diesem Sinne, bleib frohen Mutes. Wende Deinen Blick auf all das Gute, Schöne und Positive, was wir als Menschheit erreicht haben und trage bitte durch Vernunft und Impfbereitschaft dazu bei, dass Covid-19 endlich in den Status von Influenza herabrutscht. Alles liebe und bestmögliche Gesundheit wünscht Dir, Nele
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    #112 – Spastik bei MS – weit mehr als normale Muskelkrämpfe

    26:12

    In Folge #112 geht es zum dritten Mal um ein Symptom. Diesmal steht die Spastik im Mittelpunkt. Gut zwei Drittel aller Menschen mit Multipler Sklerose haben mit Spastik im Laufe der Jahre zu tun. Bei manchen tritt sie nur vorübergehend auf, andere kämpfen dauerhaft damit. Zum Blogbeitrag: https://ms-perspektive.de/spastik/ Zum Glück kann man die Folgen der krampfenden Muskeln meist gut behandeln und es stehe viele Therapieoptionen zur Verfügung. Wann treten Spastiken auf? Spastiken treten meist erst im späteren Verlauf der Erkrankung auf. Sie können sich dennoch früher zeigen, z. B. in Form von Blasenstörungen oder spastischen Gliedmaßen. Meist bilden sich diese Beschwerden nach Abklingen des Schubes zunächst zurück und zeigen sich nur, wenn der Körper vorübergehend erhitzt (Uhthoff-Phänomen), durch sommerliche Temperaturen, einen Saunabesuch, Fieber. Aber auch psychische Anspannungen wie Trauer, Wut, Stress und Angst können Spastiken intensivieren oder wieder aufflackern lassen. Wenn Du sehr müde bist, unter starken Schmerzen leidest, Probleme mit Deiner Verdauung oder dem Wasserlassen hast oder ein neuer Schub auftritt, können Spastiken ebenfalls verstärkt werden. Daher ist es besonders wichtig, dass Du die Multiple Sklerose so früh wie möglich unterbindest oder wenigstens verlangsamst. Wissenschaftliche Studien weltweit zeigen, dass eine verlaufsmodifizierende Therapie ein ganz wichtiger Baustein dabei ist. Genaueres erfährst Du in der Folge zum Brain Health Bericht. Denn wenn Du gar nicht erst zu dem Punkt kommst, wo Du permanente Spastiken hast, ist das natürlich die beste Option.  Welche Arten von Spastiken gibt es? Spastiken betreffen zunächst immer die Muskeln. Es können alle Körperregionen betroffen sein von den Armen und Fingern zu den Beinen und Füßen über die Hüfte bis hin zum Rücken. Dabei sind die Muskeln durch eine Entzündung des Nervengewebes in der Pyramidenbahn stark angespannt. Das kann dazu führen, dass die Muskeln: krampfen, verkürzen, versteifen, gelähmt sind. Oft verursacht die veränderte Muskelspannung Schmerzen und schränkt den Alltag ein, je nachdem welche Muskeln betroffen sind. Wenn Arme und Hände spastisch sind, fällt das Greifen und Festhalten von einer Tasse schwer, aber auch das Schließen kleiner Knöpfe und das Schreiben. Falls die Spastiken Beine und Füße betreffen, wird das Gehen schwerer, es erhöht sich aber auch die Sturzgefahr. Das Gleichgewicht kann ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, da Spastiken oft einseitig auftreten. Zudem können nächtliche Spastiken den erholsamen Schlaf verhindern und dadurch Deine Fatigue verschlechtern. Aber auch Einschränkungen mit der Blase, dem Darm und der sexuellen Lust und Empfindsamkeit sind möglich. Wie werden Spastiken behandelt? Die Therapie zielt darauf ab, die Folgeschäden der jeweiligen Spastik kleinzuhalten, um Deine Lebensqualität zu steigern. Oft wird die Feinmotorik trainiert, damit Du wieder geschickter bist und ohne fremde Hilfe im Alltag auskommst. Falls Du weniger mobil bist, liegt der Fokus darauf, diesen Prozess wieder umzukehren. Je nach Intensität der Spastik kannst Du professionelle Hilfe vom Physiotherapeuten in Anspruch nehmen. So können mit gezielten Übungen steife Muskeln wieder beweglich gemacht werden. Am besten ist es immer, wenn Du auch zuhause noch selbstständig trainierst. Viele MS-Patienten kommen sehr gut mit der Hippotherapie zurecht. Das ist eine spezielle Art des Reitens und gut für die Lockerung spastischer Beine. Wenn die Spastiken noch auf einem geringe Level sind, solltest Du dennoch in jedem Fall Deinen Neurologen darüber informieren. Gemeinsam könnt ihr entscheiden, inwieweit u Dir selber helfen kannst oder eine Unterstützung gut wären. Generell gilt, Bewegung tut Deinen angespannten Muskeln gut. Das können Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Nordic Walking sein. Vielleicht magst Du aber auch Yoga, Pilates oder Tanzen. Hauptsache Du hast Spaß daran, wärmst Deine Muskeln durch und trainierst regelmäßig. Falls Du Dich mit geführten Bewegungen besser fühlst, sind vielleicht Sportgeräte wie ein Rudergerät oder Fahrradergometer mehr was für Dich. Vielleicht gefällt Dir auch die sportorientierte Kompaktschulung für Menschen mit MS, kurz SpoKs. Im Interview erklärt Dr. Woschek genau, was sich dahinter verbirgt. Hör am besten mal rein. Welche Hilfsmittel und Medikamente gibt es? Je nachdem ob gelockert, entlastet, gedehnt oder gestützt werden soll, gibt es spezielle Schienen, die für Erleichterung sorgen können. Solltest Du medikamentös eingestellt werden, brauchst Du ein bisschen Geduld, da es keine pauschale Dosisempfehlung gibt, sondern es um eine individuelle Einstellung auf Deine Bedürfnisse ankommt. Mehrere Wirkstoffe stehen dabei zur Verfügung – Antispastika, Botox, cannabinoid-haltige Medikamente und selten auch Kortison. Deine Neurologin ist hier die Spezialistin. Lass Dich von ihr beraten. Was kannst Du während des Schubs tun? Unter einem Schub werden Spasmen oft schlimmer, auch wenn sie nicht Teil der neu auftretenden Symptome sind. Versuche so ruhig wie möglich zu bleiben. Wenn es Sinn macht wird Dein Arzt eine Schubbehandlung einleiten. Das liegt immer im Ermessensspielraum und den Einschränkungen, die durch den Schub ausgelöst werden. Yoga, Feldenkrais und alle anderen Arten von sanften Dehnungen sind gut. Sprich mit Deinem Physiotherapeuten, wenn Du einen hast und lasst Dir gezielt Tipps geben, wie Du Deinen Körper bestmöglich unterstützten kannst. Und pass auf Deine Psyche auf, sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, dass es Dir schneller wieder besser geht. Und wenn dauerhaft Spastiken zurückbleiben? Bewegen. Bewegen. Bewegen.  Es ist ganz wichtig, dass Du Dich möglichst viel bewegst, um Versteifungen und Einschränkungen Deiner Muskeln entgegenzuwirken. Trainiere regelmäßig, am besten jeden Tag und fordere die oben aufgezählten Hilfsmöglichkeiten ein.  Was ist die beste Prävention gegen Spastiken? Auch wenn ich mich wiederhole: Eine funktionierende verlaufsmodifizierende Therapie gepaart mit einem gesunden Lebenswandel, lieben Menschen, um Dich herum, die Dir guttun und möglichst wenig schädlichem Stress. Mehr zur gesunden Ernährung gibt es in den beiden Folgen mit Dr. Goergens. Denkanstoß Dokumentiere Deine Muskelkrämpfe in einem Tagebuch: Wann treten sie auf? In welcher Intensität? Wie lange halten sie an? Welche Körperregion ist betroffen? Gibt es Auslöser? Was hilft Dir dagegen – Bewegung, Meditation,…? Frag am besten nochmal genau bei Deinem Neurologen und Physiotherapeuten nach, welche Angaben ihnen helfen, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine optimale Therapie zu erarbeiten. Und ganz wichtig, sprich Probleme frühzeitig an. Vielleicht gibt es manchmal andere Auslöser, dann könnt ihr das klären. Aber je eher Dein medizinisches Unterstützungsteam bescheid weiß, desto eher können sie Dir helfen. Mir haben übrigens die Bücher von Jorge Bucay „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ und B.K.S. Iyengar „Iyengar-Yoga für Anfänger“ sehr geholfen mich seelisch und körperlich zu entspannen. Bestmögliche Gesundheit wünscht Dir, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter.
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    #111 – Interview mit MS-Patientin Melanie alias melsworldinpictures

    44:37

    In Folge #111 vom MS-Perspektive Podcast interviewe ich Melanie alias @melsworldinpicutres. Wir kennen uns von Instagram, wo Melanie über ihr Leben mit Multipler Sklerose schreibt, aber auch über all die Freuden des Lebens.  Hier geht es zum Blogbeitrag: https://ms-perspektive.de/interview-mit-ms-patientin-melanie-alias-melsworldinpictures/ Vorstellung Melanie ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Söhne und ist außerdem Hundemama. Sie lebt in ihrer Wahlheimat Schweiz und erblickte einst in Deutschland das Licht der Welt. Diagnose und aktueller Status Seit wann hast du die Diagnose? Seit 2014. Einen Tag nach meinem 33. Geburtstag konnte ich meinen Sohn nicht mehr tragen, war sehr schwach und durcheinander, habe gefüllt gelallt. Einen Tag später konnte ich nicht mehr leserlich schreiben. Da bekam ich Angst und rief den Hausarzt an. Ich solle augenblicklich vorbeikommen. 15 Minuten später hatte ich die Diagnose MS und hing am Kortisontropf. Wie hast du die Diagnose aufgefasst? Und wie war es für deine Liebsten? Mein Mann war dabei. Wir hatten davor noch nie etwas über MS gehört. Es war ein großer Schock für alle Familienmitglieder. Welche Behandlung wurde Dir zu Beginn der Diagnose empfohlen und bist Du der Empfehlung gefolgt? Zu diesem Zeitpunkt habe ich meinem Arzt voll und ganz vertraut. Er empfahl das neueste Medikament Tecfidera. Morgens und abends eine Tablette. Zwei Wochen dann war Schluss. Ich habe es nicht vertragen. War bei Dir ein Wechsel auf andere verlaufsmodifizierende Therapien nötig? Wenn ja, warum? Ich wechselte zu Tysabri. Dies vertrug ich gut. Allerdings blieb die MS sehr aktiv, und ich bekam zusätzlich alle 3-4 Monate Kortison. 18 Gaben und Monate später war mein JC Virus zu hoch und ich musste aufhören. Ich hatte in dieser Zeit keine neuen Läsionen, die Herde im Kopf waren immer die selben, nur ständig aktiv. Warst Du mal bei einer Reha wegen der MS oder nutzt Du symptomatische Therapieangebote im Alltag? Wenn ja, wie zufrieden bist Du damit? Zu Neujahr 2020 war ich nach einem großen Schub und Herd am Sehnerv drei Wochen in der Reha. Seitdem bin ich bei der Physiotherapie und Ergotherapie. Die Spitex Schwester kommt einmal die Woche vorbei. Ich war acht Monate bei einem Psychologe,. der dann jedoch in Babypause ging. Deshalb wechselte ich in eine psychosomatische Gesprächstherapie. Nach sechs Monaten wechselte meine Therapeutin ihre Arbeitsstelle. Bisher bin ich noch nicht wieder bereit mich schon wieder auf jemanden neues einzulassen.  Dennoch haben mir die Therapien sehr geholfen und tun es noch. Wie kam es dazu, dass Du so offen über Deine Gefühle und Deinen Weg mit der MS schreibst? Das war zu Beginn gar nicht meine Absicht. Aber vor fünf Jahren hast du nicht viel über die MS gefunden, zumindest keine Erfahrungsberichte. Ich wollte einfach darüber schreiben und es hat mir sehr gut getan und beim eigenen Verarbeiten geholfen. Leben, Beruf und Hobbies In welcher Lebensphase hast Du die MS-Diagnose erhalten und hat es deine Pläne über den Haufen geworfen? Wir waren gerade das zweite Jahr in der Schweiz. Mein Kleiner wurde vier Jahre alt und mein Zweiter eingeschult. Ich war mit Muttersein und Kindererziehung beschäftigt. Hausfrau aus Leidenschaft. Die MS hat also nichts über den Haufen geworfen. Deine Bilder bei Instagram sind persönlich, oft lustig und heben die Laune, trotz teils ernster Themen. Wie gelingt Dir das? Ich bin einfach authentisch. Gefühle sind da um gelebt zu werden. Die guten wir die schlechten, trotz MS, trotz depressiver Phasen. Das Leben ist schön! Was magst Du an der MS-Community bei Instagram? Das starke Gefühl niemals allein zu sein. Welche Rolle spielt die MS in deinem Leben und wie wirkt sie sich auf deine Familien, deinen Beruf und deine Freizeitgestaltung aus? Eine sehr große Rolle. Ich arbeite seit zwei Jahren nicht mehr, warte aktuell auf meine Rentengutachten. Die Termine sind im Dezember. Meine Kinder kennen mich nicht anders. Gesellschaftliche Verpflichtungen machen mir Riesenmühe, wie jedes Familientreffen. Tipps Was war dein tiefster Tiefpunkt mit der MS und wie hast du dich wieder empor gekämpft? Unser Familienurlaub 2015 in Ägypten. Da lernte ich die MS mit allen Tücken kennen, bis hin zum nicht laufen können. Geht nicht – jetzt erst recht. Was machst du, wenn du Symptome der MS verspürst? Symptome sind ja ständig da. Mittlerweile kann ich sie gut einschätzen und reagieren. Wünsche und Ziele Gibt es einen großen unerfüllten Wunsch? Nein, ich bin wunschlos glücklich. Welche Entwicklung wünschst du Dir im Bereich der MS in den kommenden 5 Jahren? Noch bessere Therapien. Und das aus unheilbar ein heilbar wird. Das wäre wünschenswert. Blitzlicht-Runde Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast? Positiv denken bedeutet, dass du dich für Gedanken entscheidest, die dir Kraft geben! Wie lautet dein aktuelles Lebensmotto? Es gibt keine falschen Entscheidungen, aus Fehlern lernt man. Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema? Mit niemand bestimmten. Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose… “ …stark mit meinen Emotionen gekoppelt. Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen? TrotzMS und natürlich MS-Perspektive. Welches Buch oder Hörbuch, das du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin? „Klartext Ernährung“ von Dr.med. Petra Bracht. Es geht um Antworten, wie Lebensmittel vorbeugen und heilen. Abschlussrunde Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt der Diagnose? Es wird nichts passieren, wo du dich nicht wieder raus kämpfst! Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben? Als Msler ist es dringend erforderlich auf seine Bedürfnisse zu hören und lernen nein zu sagen. Wo findet man dich im Internet? Bei Instagram unter @melsworldinpictures ———- Vielen Dank für das geführte Interview an Melanie und die emotionale und positive Grundstimmung! Bis bald und mach das beste aus deinem Leben, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter. Hier findest du eine Übersicht zu allen bisher interviewten MS-Patienten.

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