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tl;dr #7: Walter Benjamin - Passagenwerk

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Walter Benjamin war einer der großen kritischen Intellektuellen im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre und eng verbunden mit der Kritischen Theorie. Heute ist sein Werk von globaler Bedeutung. Nach der Emigration 1933 aus Nazi-Deutschland, der Ausbürgerung 1939, der Internierung in Frankreich und der Flucht vor der Nazi-Armee nahm er sich im September 1940 in Port Bou das Leben. Das Passagenprojekt, das in dieser Folge vorgestellt wird, wäre sein größtes Buch geworden; es wurde niemals geschrieben. Von 1927 bis zu seinem Tod hat er daran mit Unterbrechung gearbeitet und eine riesige Materialsammlung angelegt. Es wäre ein beeindruckender Beitrag zur materialistischen Kulturanalyse geworden. Benjamin wollte zeigen, wie die bürgerliche Kultur um den Warenfetisch herum gravitiert, ihre Trugbilder, Gespenster, Traumwelten entlarven. Durch geschickte Montage seines umfangreichen Materials wollte Benjamin dazu beitragen, dass die Menschen aus jenen Träumen erwachen und mit einem Tigersprung in die konkrete Geschichte den Augenblick erfahren, der es ihnen ermöglicht, durch eine kleine Pforte hinaus in die Freiheit zu treten. Alex Demirović diskutiert mit der Benjamin-Kennerin Ruth Sonderegger. Sie ist Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien.

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    tl;dr #8: Nicos Poulantzas – Staatstheorie

    56:20

    Das Verhältnis der Linken zum Staat und der sozialen Bewegungen ist ambivalent. Einerseits gilt der Staat als Gewalt- und Herrschaftsapparat – als der Staat des Kapitals, der zum Faschismus tendiert. Auf der anderen Seite gibt es die Erwartung, dass der Staat und zumal der Sozialstaat zur Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme beitragen soll: Demokratie und Rechtssicherheit, soziale Absicherung, Infrastrukturen und technische Innovation, Bildung, Bewältigung der Klimakrise. Befürchtungen über den autoritären Staat wie Hoffnung, die in en seine Kompetenzen gesetzt werden, liegen nahe beieinander. In den 1970er Jahren kam es zu intensiven Diskussionen über diese Fragen, die unter dem Eindruck eines Mangels an Kenntnissen über die Funktionsweise des Staates und Strategien geführt wurden. Intensiv wurde deswegen auch Marx gelesen, der den nicht eingelösten Anspruch hatte, im Rahmen seiner Kritik der politischen Ökonomie ein Buch über den Staat zu schreiben. Diesen Anspruch wollte die staatstheoretische Debatte im Lichte der zeitgenössischen Erfahrung mit der parlamentarisch-repräsentativen Republik und ihren Institutionen einlösen. Einer der wichtigsten Autoren war der griechisch-französische Marxist Nicos Poulantzas, der den kapitalistischen Staat als ein ökonomisch-politisch-ideologisches Terrain von Kräfteverhältnissen der Ausarbeitung und Umsetzung von Herrschaftsstrategien und Klassenkompromissen begreift. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge Serhat Karakayalı, unter anderem Leiter der Abteilung Migration am DeZIM-Institut und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Migration und Mobilität an der Leuphana Universität Lüneburg.
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    tl;dr #7: Walter Benjamin - Passagenwerk

    1:00:14

    Walter Benjamin war einer der großen kritischen Intellektuellen im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre und eng verbunden mit der Kritischen Theorie. Heute ist sein Werk von globaler Bedeutung. Nach der Emigration 1933 aus Nazi-Deutschland, der Ausbürgerung 1939, der Internierung in Frankreich und der Flucht vor der Nazi-Armee nahm er sich im September 1940 in Port Bou das Leben. Das Passagenprojekt, das in dieser Folge vorgestellt wird, wäre sein größtes Buch geworden; es wurde niemals geschrieben. Von 1927 bis zu seinem Tod hat er daran mit Unterbrechung gearbeitet und eine riesige Materialsammlung angelegt. Es wäre ein beeindruckender Beitrag zur materialistischen Kulturanalyse geworden. Benjamin wollte zeigen, wie die bürgerliche Kultur um den Warenfetisch herum gravitiert, ihre Trugbilder, Gespenster, Traumwelten entlarven. Durch geschickte Montage seines umfangreichen Materials wollte Benjamin dazu beitragen, dass die Menschen aus jenen Träumen erwachen und mit einem Tigersprung in die konkrete Geschichte den Augenblick erfahren, der es ihnen ermöglicht, durch eine kleine Pforte hinaus in die Freiheit zu treten. Alex Demirović diskutiert mit der Benjamin-Kennerin Ruth Sonderegger. Sie ist Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien.
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    tl;dr #6: Balibar/Wallerstein – Rasse Klasse Nation. Ambivalente Identitäten

    59:40

    Balibar/Wallerstein: Rasse Klasse Nation. Ambivalente Identitäten Nach gemeinsamen Seminaren in den 1980er Jahren haben Étienne Balibar und Immanuel Wallerstein eine Reihe von individuell verfassten Texten zu einem Buch zusammengetragen. Darin geht es um die Funktionsweise des Rassismus, Nationalismus und Sexismus im kapitalistischen Weltsystem. Sie bilden spezifische und doch eng miteinander verbundene Herrschaftspraktiken. Diese Formen ideologischer Herrschaft bleiben nicht stabil. Nach dem Holocaust war völkischer Rassismus verpönt, die Rechte entwickelt daraufhin einen Neorassismus. Balibar analysiert die Funktionsweise dieser neuen rechten Leitideologie. Das Ende des Kolonialismus kehrt die Richtung der Migrationsprozesse und verändert die Stellung des Nationalen. Im Buch geht es um den Widerstand gegen diese Herrschaftsformen, die ein Netzwerk bilden, das im umfassenden Sinn aufgelöst werden muss. Die Bedingungen dafür halten die Autoren für günstig, weil sie überzeugt sind, dass das kapitalistische System zu seinem Ende tendiert. Im Gespräch mit Manuela Bojadžijev werden einzelne Fragen der kritischen Rassismustheorie aufgegriffen und vertieft.
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    tl;dr #5: Edward Said - Orientalismus

    57:56

    Edward Said - Orientalismus Edward Said gilt als Pionier der postcolonial studies. Er hat die Tradition der kritischen Theorie mit der Herausforderung konfrontiert, auf sich selbst und die epistemologische Verankerung in den herrschenden Staaten des Nordatlantiks zu reflektieren. Die Frankfurter Schule, die französischen Theoretiker oder die angelsächsische Kulturtheorie seien verblüffend stumm geblieben in Bezug auf rassistische Theorie, antiimperialistischen Widerstand und oppositionelle Praxis im Imperium. In seinem Werk "Orientalismus" beschreibt Said die Praxis des Othering, der Herstellung einer Identität der Anderen. Said interessiert sich für die Dialektik, die damit verbunden ist. Denn Europa, der Westen, das Abendland kann seine eigene Identität offensichtlich nur dadurch gewinnen, dass es seit Jahrhunderten jene Anderen konstruiert und erfindet, von denen es sich gleichzeitig abgrenzen und unterscheiden, über die es verfügen und die es beherrschen will, weil es glaubt, dazu berechtigt zu sein und einen Auftrag zu haben. Im Podcast gibt Alex Demirović einen Überblick über Edward Saids Leben und fasst die zentralen Thesen seines Schlüsselwerkes "Orientalismus" zusammen. Anschließend diskutiert er mit der Postkolonialismus-Expertin María do Mar Castro Varela darüber, welche Bedeutung postkoloniale Kritik für soziale Bewegungen heute hat.
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    tl;dr #4: Michel Foucault - Überwachen und Strafen

    53:10

    Mit seinen Analysen der Machttechnologien hat Michel Foucault zur Sozialkritik der linken und sozialen Bewegungen seit den 1970er Jahren maßgeblich beigetragen. Foucault wollte auf eine andere Gesellschaft hinwirken, die anders wäre als die, die den Nazismus hervorgebracht hatte. Sein Werk >Überwachen und StrafenÜberwachen und Strafen< zusammen. Anschließend diskutiert er mit der Foucault-Expertin Andrea Kretschmann darüber, wie im modernen Strafsystem die Gesetzeswidrigkeiten der unteren Klassen zum Gegenstand besonderer Machtstrategien gemacht werden.
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    tl;dr #3: Antonio Gramsci – Gefängnishefte

    43:07

    «Offensichtlich setzt die Tatsache der Hegemonie voraus, daß den Interessen und Tendenzen der Gruppierungen, über welche die Hegemonie ausgeübt werden soll, Rechnung getragen wird, daß sich ein gewisses Gleichgewicht herausbildet, daß also die hegemoniale Gruppierung Opfer ökonomisch-korporativer Art bringt, aber diese Opfer können nicht das Wesentliche betreffen, denn die Hegemonie ist eine politische, aber auch und besonders eine ökonomische, sie hat ihre materielle Basis in der entscheidenden Funktion, welche die hegemoniale Gruppierung im entscheidenden Kern der ökonomischen Aktivität ausübt.» Antonio Gramsci, Gefängnishefte Antonio Gramsci wurde 1926 als Kommunist und Gegner des faschistischen Regimes in Italien verhaftet. In seiner Gefängniszeit schrieb er sein Hauptwerk. Die Gefängnishefte, die in der deutschen Übersetzung 2.300 Seiten umfassen, versammeln eine Vielzahl von kurzen Notizen, Literaturhinweisen, Kommentaren oder mehrseitigen Essays. Sie werden von Gramsci festgehalten mit dem Ziel, sie später, wenn er wieder in Freiheit wäre, auszuarbeiten. Jedoch ging es ihm nach seiner Entlassung 1934 gesundheitlich so schlecht, dass er sein Werk nicht abschließen konnte. Zu Recht sind Antonio Gramscis Gefängnishefte berühmt geworden. Vor allem sein Verständnis von Hegemonie, seine Begriffe der Subalternen, der Zivilgesellschaft hat die Linke, die postcolonial studies, die feministische Diskussion weltweit beeinflusst. Mit diesem und anderen begrifflichen Neuerungen leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Fortentwicklung der marxistischen Theorie. Gramsci ist kein Denker der gescheiterten Revolution von 1918/19, vielmehr tritt er für die Bildung von politischen Verhältnissen der Selbstregierung der popularen Gruppen, für eine neue Kultur und Lebensweise, eine Reorganisation des Produktionsapparats, und einer Reform des Verhältnisses von Stadt und Land ein. Zentral geht es Gramsci um die Frage des Konsenses und der Hegemonie. In einem einfachen Sinn kann unter Hegemonie zunächst die politische und kulturelle Vorherrschaft einer Klasse verstanden werden. Aber Gramsci geht über dieses Grundverständnis hinaus. Das hegemoniale Verhältnis zwischen den Herrschenden und den Subalternen bleibt niemals stabil, es handelt sich um ein ständig sich veränderndes Kräftegleichgewicht, in dem die Interessen der herrschenden Gruppe überwiegen, aber in dem die der Subalternen immer auch Berücksichtigung finden. Im Podcast gibt Alex Demirovic einen Überblick über Gramscis politisches Wirken und fasst die zentralen Thesen der Gefängnishefte zusammen. Anschließend diskutiert er mit der Gramsci-Expertin Lia Becker darüber, welche Relevanz die Gefängnishefte für aktuelle politische Kämpfe haben und was wir von Gramsci über den Umgang mit der Querdenkerbewegung lernen können.
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    tl;dr #2: Karl Marx – Bürgerkrieg in Frankreich

    56:38

    In Folge 2 von «tl;dr – Too long, didn’t read» skizziert Alex Demirović kurz die Biographie und das politische Wirken von Karl Marx und gibt einen Überblick über die zentralen theoretisch-historischen Thesen der Schrift über die Pariser Kommune. Anschließend diskutiert er mit Marx-Kenner Alexander Gallas darüber, welche Relevanz Marx‘ Analyse auch heute hat.
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    tl;dr #1: Rosa Luxemburg – Sozialreform oder Revolution?

    1:02:52

    In Folge 1 von «tl;dr – Too long, didn’t read» gibt Alex Demirović einen Überblick über Rosa Luxemburgs politisches Wirken und fasst die zentralen Thesen von «Sozialreform oder Revolution?» zusammen. Anschließend diskutiert er mit der Luxemburg-Forscherin Miriam Pieschke darüber, was wir heute noch von Luxemburg lernen können.
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    tl;dr – Too long, didn’t read

    2:52

    Too long, didn’t read – so geht es einigen beim Anblick der Klassiker linker Theorie. Die über zweitausend Seiten langen Gefängnishefte von Antonio Gramsci, die komplizierten Schinken von Marx oder Edward Said – wenn ihr keine Zeit habt, die Bücher alleine durchzuackern oder eine Einführung sucht, dann hört euch den Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung an. Durch den Podcast führt Alex Demirović. Der Professor für Politikwissenschaft an der Uni Frankfurt ist Vertreter der kritischen Theorie und Kenner sämtlicher linker Standardwerke. In jeder Folge stellt Alex Demirović Schlüsselwerke der linken Theorie vor. Es werden die zentralen Thesen der Werke und ihre heutige Relevanz diskutiert. Die Spannbreite liegt dabei vom klassischen Marxismus, Kritischer Theorie, Feminismus, antikoloniale Theorie, Poststrukturalismus bis hin zu Hegemonietheorie und Existenzialismus. Prof. Alex Demirović gibt euch in kurzen Vorträgen eine Einführung in die Biografie der Theoretiker*innen und fasst die zentralen Thesen zusammen. Anschließend diskutiert Alex Demirović in jeder Folge mit einem Gast über das Werk und seine Relevanz für aktuelle politische Kämpfe.

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